Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/138/
2) die UdSSR unter Gorbatschow in einem Zustand ungebrochener militä rischer Stärke zur eigenen Selbstauflösung schritt, weil sie ihren Herr schaftsapparat nur noch als Hemmnis für ihre sozio-ökonomische Ent wicklung empfand. In einer Zeit, wo alle grossen Firmen durch «downsizing» und durch Konzentration auf wesentliche Kernkompetenzen bestrebt sind, flexibler und global konkurrenzfähiger zu werden, ist gemäss Rose - crance auch der «lean small state» modisch geworden.14 Nicht weil «small» im ästhetischen Sinne «beautiful» wäre, sondern weil es nützlich ist, ein «schlanker» Staat zu sein, dem es im Vergleich zu grösseren leichter fällt beispielsweise – seine knappen öffentlichen Mittel für Wissenschaft und Forschung flexi bel auf relevante Themen hin zu koordinieren – auf viel Regulierungsgestrüpp zu verzichten und mit den Unterneh - men einen pragmatisch-unbürokratischen Umgang zu pflegen; – durch eine konkordante, auf Ausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bedachte Politik konfliktfreies und stabiles und deshalb investitionsfreundliches innenpolitisches Klima zu schaffen.15 Neben wirtschaftlichen haben auch 
militärische und sicherheitspo - li tischeEntwicklungen dazu beigetragen, die Abhängigkeit kleiner von grösseren Staaten zu verringern. In der Agrargesellschaft waren grössere Staaten meist nicht in der Lage, mit eigenen Mitteln ihre Aussengrenzen zu schützen. Deshalb hat- ten sie die Neigung, sich mit einem Trabantenring von semi-autono men Kleinstaaten zu umgeben, die – im Austausch für eigene Sicherheit – dem grossen Staat die Dienstleistung der Grenzsicherung anboten. Je unsicherer die Grenzen und je grösser die Gefahr von Überfällen und Invasionen, desto mehr waren Zentralstaaten auf solche kleinen Komple mentärstaaten angewiesen.16 144Hans 
Geser 14Rosecrance, War, Trade and Interdependence. In: Rosenau/Tromp(Hrsg.), Inter - depen dence and Conflict in World Politics, 1989, S. 48–57. 15Siehe Katzenstein, Fn. 8; Geser, Kleine Sozialsysteme – ein soziologisches Erklä - rungs modell der Konkordanzdemokratie? In: Michalsky(Hrsg.), Politischer Wan - del in konkordanzdemokratischen Systemen, 1991, S. 93–121). 16In diesem Sinne verdankte auch die Schweiz ihr Überleben jahrhundertelang ihrer Subordination unter die Interessen Frankreichs: im Austausch für den Schutz, den der französische König anbot, hat sie Neutralität in Kriegssituationen garantiert.
        

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