Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
39
Erscheinungsjahr:
2004
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000240237/126/
ent sprechend auch keine konsistente Organpraxis ausbildete, be schäf - tigte sich die Doktrin nicht vertieft mit dieser Frage. Wissenschaftlich durchdrungen wurde dieses Phänomen daher erst im Zuge der Neu - staats bildung im Gefolge der forcierten Dekolonialisierung in den 60er Jah ren des vorigen Jahrhunderts, erhielt aber auch dann keine ein heit - liche literarische Behandlung. Während die einen Autoren von der Existenz eines eigenen völ ker - recht lichen Gebildes «Kleinstaat» ausgehen, dem eine spezielle völker - recht liche Rechts- und Handlungsfähigkeit zukommen soll, leugnen die anderen das Bestehen eines solchen Gebildes. Letztere Autoren wurden durch die spätere Staaten- und Organisationspraxis bestärkt, die einen «Kleinstaat» nur als besondere Konfiguration des Idealtypus «Staat», nicht aber als ein von diesem geschiedenes «staatsähnliches» Gebilde mit eige ner völkerrechtlicher Rechts- und Handlungsfähigkeit qualifi zierten. Die neuesten Entwicklungen hin zu einem «künstlichen» Staats we - sen wiederum überspitzen die Kleinstaatsdebatte, zeigen sie doch auf, dass nicht nur – wie beim Kleinstaat – die einzelnen Staatselemente gleich sam «bis auf Null + 1» reduziert werden können, sondern dass es Konfigurationen gibt, wo eines oder alle drei bzw. vier konstituierenden Staatselemente nicht mehr real sondern nur mehr künstlich existieren. In der Abgrenzung der Kleinstaaten von diesen «künstlichen» Staaten tre - ten die Wesenselemente von «Staatlichkeit» am anschaulichsten hervor, sodass in dieser Untersuchung auch auf diese Beispiele abzustellen war. Ganz allgemein wird aber auch das als Konsequenz der Globa li sie - rung zu beobachtende Phänomen der immer stärkeren Durchdringung des herkömmlichen Nationalstaates mit transnationalen Elementen i.S.e. «Mehrebenen-Verfassungsverbundes» à la longue zu einem «fade out» des Nationalstaates bisheriger Prägung führen. An seine Stelle wird «eine Art höhere Selbstverwaltungskörperschaft», ein «Staat ohne Sou - ve rä nität», treten, der dann die vorstehend angestellten Abgrenzungs - ver suche obsolet machen wird.332 132Waldemar 
Hummer 332Vgl. dazu Héritier, A./Stolleis, M./Scharpf, F. (Hrsg.), European and Internatio nale Regulation after the Nation State. Different Scopes and Multiple Levels (2004).
        

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