Der 1. Weltkrieg 
1916 erwähnte er gar nicht, die Vereidigung auf den neuen Kaiser 
Karl I. nur kühl als Faktum. Siegesmeldungen beeindruckten Frido- 
lin Tschugmell nicht. Er war als Rekonvaleszent froh, nicht an der 
Front zu stehen, etwa wenn er am 29. September 1917 schrieb: 
„Der grossen Offensive in Italien bin ich doch ausgekommen.“ 
Tschugmells Patriotismus mass sich an der Verpflegung. Als Re- 
konvaleszent und bei seinen letzten militärischen Einsätzen musste 
er 1917 und 1918 hungern und sich auf jede mögliche Weise selber 
Essen beschaffen (Kartoffeln stehlen und Schwarzhandel). Er ver- 
traute den unpatriotischen Unmut dem Tagebuch an. Über den Ge- 
neral, der ihn Mitte Oktober 1917 mit höhnischen Worten nach 
Wels zur Ersatzkompanie bestimmte, notierte er: „Der dumme 
Affe... Der Hinterlands-Vogel.“ Am 8. November 1917 schrieb er: 
„Sie sollen aufhören mit dem Kriegführen, wenn sie die Soldaten 
nicht mehr genug füttern können.“ Ähnlich tönt es immer öfter bis 
zum Kriegsende. „Öster-reich“ verballhornte er zu „Öster-arm“. 
Den Kriegsverlauf im Grossen verfolgte Tschugmell dagegen offen- 
bar kaum, jedenfalls notierte er nichts dazu. Auch über das Ausein- 
anderfallen der Donaumonarchie zerbrach er sich den Kopf nicht. 
Ein Pazifist? 
Ein Pazifist, der den Krieg der Waffen abgelehnt hätte, war Tschug- 
mell nicht. Zwar war er nach der Ausbildung als Schütze und der 
Umschulung auf Sanitäter an der Front hauptsächlich in zweiter 
Funktion tätig. Aber er schoss auch. So notierte er am 25. Novem- 
ber 1915 an der Tonale-Front: „Zum ersten Mal im Leben schoss 
ich auf Menschen.“ Und einige Tage darauf am 3. Dezember: „Wie- 
der schoss ich auf Italiener.“ Es muss ihn doch beunruhigt haben. 
Feindeshass und Vorurteile? 
Tschugmell hasste die Feinde nicht. Sie waren ihm einfach Gegner. 
Eine gewisse Herablassung und auch soldatische Abstumpfung 
klingt gelegentlich durch, etwa wenn er an der Dolomiten-Front am 
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