Der 1. Weltkrieg 
  
lichen Gebiete an die Tschechoslowakei, südungarische Gebiete an 
Jugoslawien und östliche Gebiete, insbesondere Siebenbürgen, an 
Rumänien gingen. Im slawischen Süden der Monarchie — dort, wo 
der Krieg entfesselt worden war — bildete sich das „Königreich der 
Serben, Kroaten und Slowenen“ (1929 in Jugoslawien umbenannt), 
in welchem Serben und Kroaten sogleich um die Vormacht stritten. 
Das im Krieg so verlustreich umkämpfte Galizien ging an das neue 
Polen, die Bukowina mit Cernowitz an Rumänien. Aus der ôster- 
reichischen Konkursmasse konnte sich Italien auf der Siegerseite 
das Südtirol, das Küstenland mit Triest und Istrien sowie Fiume 
(Rijeka) angliedern, dazu von der Türkei die Inseln des Dodekanes 
mit Rhodos. Unabhängige Staaten in Nord- und Osteuropa wurden 
die früher russischen Länder Finnland, Estland, Lettland, Litauen 
und zeitweilig die Ukraine. 
Die osmanische Herrschaft der Türkei zerfiel. Die ehemals osma- 
nisch beherrschten Länder wurden vom Vôlkerbund den Briten und 
Franzosen als Mandatsgebiete zugewiesen, mit der Auflage, diese 
auf die Unabhängigkeit vorzubereiten. Im Nahen Osten waren bri- 
tische Mandate der Irak, Transjordanien und Palästina, franzôsi- 
sche Mandate Syrien und Libanon. Die Türkei hatte das armenische 
Volk stark dezimiert und vertrieben. Ein Kurdenstaat konnte nicht 
verwirklicht werden. 
Überall entstanden in den neuen Staaten neue nationale Minder- 
heitengebiete und -probleme. Sie bestärkten in vielen Ländern und 
Völkern revisionistische Tendenzen, auf Revision der neuen Gren- 
zen zielend, wenn nötig mit Gewalt. Die Saat für künftige Konflikt- 
zonen war gelegt. 
Nochmals Österreich: Vom grossen Donaureich - von dem etwa 
in Feldkirch noch die stolze Giebelinschrift am neuen Landesge- 
richtsgebäude von 1905 kündet — blieb nur die kleine Republik 
Österreich. Dieses Deutschösterreich hielt sich vorerst nicht einmal 
für lebensfähig und wünschte sich Deutschland anzuschliessen, 
während wiederum ein Teil davon, Vorarlberg, sich heftig bemühte, 
stattdessen ein Kanton der Schweiz zu werden. Zu beidem kam es 
nicht. Die Sieger wollten Deutschland nicht wieder vergrössern. Die 
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