Schliesslich stellt der Umstand, dass sowohl die Regierung3558 
als auch die Studien (und Analyse) Winklers°559 ind — wenn auch 
unter anderen Vorzeichen —- Kolileggers?»90 eine Differenzierung zwi- 
schen einem ,vólkerrechtlichen' und einem ,innerstaatlichen' Gel- 
tungsgrund vôlkerrechtlicher Vertráge vertreten, die Ausrichtung 
der liechtensteinischen Verfassungsordnung auf die Lehre des Mo- 
nismus’3561 in Frage. Dieser Ansatz, der auf einer Aufspaltung des Gel- 
tungs- und Anwendungsanspruches volkerrechtlicher Vertrüge beruht9562, 
ist abzulehnen3563, 
3558 und zwar im wesentlichen aus den gleichen Griinden und mit den gleichen Worten wie 
Winkler (Prüfung) S. 5ff. 
3559 Die Überlegungen Winklers (Prüfung) S. 5ff und dess. (Analyse) S. 147ff. scheinen von einem 
dualistischen Weltbild auszugehen bzw. von einem solchen geprágt zu sein. Diese Qualifika- 
tion tritt in Wendungen wie den ‚zwei Bereichen’ des Völkervertrags- und des Landesrechts 
oder der ‚doppelten Geltungs- und Verbindlichkeitseinheit’ völkerrechtlicher Verträge in Er- 
scheinung. An anderer Stelle spricht Winkler von der ‚Dualität' der staatsrechtlichen und völ- 
kerrechtlichen Geltung und Verbindlichkeit völkerrechtlicher Verträge, von den beiden ‚ne- 
beneinander bestehenden’ Rechtsbereichen des Völker- und des Staatsrechts oder von der 
Möglichkeit, den gänzlich oder teilweise aufgehobenen Inhalt eines völkerrechtlichen Vertra- 
ges ‚in die Landesverfassung aufzunehmen’. Alle diese Wendungen deuten die Neigung zu 
einer dualistischen Deutung des Verhältnisses zwischen dem Völkervertrags- und dem Lan- 
desrecht in einem technischen Sinne an. 
3560 Die Überlegungen Kohleggers (Prüfung) S. 3 und 5 sowie passim scheinen einem dualisti- 
schen Weltbild dadurch zu folgen, dass die Genehmigung gemäss Art. 8 Abs. 2 LV als ein 
‚Gesetzesbeschluss’ verstanden wird. Dieser Ansatz erinnert an jenen Stegers (Landtag) S. 
126, der von einer „Umwandlung des Staatsvertrages“ durch ein seiner Ein- und Durchfüh- 
rung dienendes formelles Gesetz spricht, „um im Innern des Staates wirksam zu sein“; siehe 
hierzu das 6. Kapitel Pkt. 2.2. 
3561 Siehe hierzu das 6. Kapitel Pkt. 4.2. 
3562 Siehe hierzu vor allem die Regierung (Schreiben vom 22. Oktober 2002) S. 3ff sowie Winkler 
(Prüfung) S. 5ff. 
3563 Eine Aufspaltung des Geltungs- und Anwendungsanspruches vólkerrechtlicher Vertráge in 
einen vólker- und in einen landesrechtlichen bildet eine akademische Differenzierung, die so- 
wohl formell als auch materiell problematisch ist. In formeller Hinsicht fragt es sich, in wel- 
chem Akt der ,landesrechtliche' Geltungsgrund eines vólkerrechtlichen Vertrages zum Aus- 
druck kommen soll. Unter den in Frage kommenden Verfahrensschritten (Paraphierung/Un- 
terzeichnung des Vertragstextes durch die Regierung, Genehmigung gemáss Art. 8 Abs. 2 
LV, Ratifikation durch die Regierung, gegebenenfalls Zustimmung durch das Volk gemáss 
Art. 66bis LV und Kundmachung im Liechtensteinischen Landesgesetzblatt) scheint sich in 
diesem Zusammenhang, d.h. für eine solche Fiktion, keiner so recht zu eignen. In materieller 
Hinsicht ist darauf hinzuweisen, dass es nur einen einzigen und — in diesem Sinne — unteilba- 
ren Vertragswillen geben kann: Entweder liegt die Bereitschaft zum Vertragsabschluss und - 
vollzug (zur Vertragserfüllung) vor oder nicht. Einen ,vólkerrechtlichen' und einen Jlandes- 
rechtlichen' Vertragswillen kann es nebeneinander nicht geben; es kann nur zu einem einheit- 
lichen, nämlich zu dem (einzigen und alleinigen) gültigen Vertragswillen kommen — und bei 
diesem bleiben. Wenn der Vertragswille aber (neben dem Abschluss des völker- und landes- 
rechtlichen Vertragsabschlussverfahrens) den Geltungsgrund eines völkerrechtlichen Vertra- 
ges bildet, kann es aber auch keine ‚zwei Seiten’ dieses Geltungsgrundes geben: Ist es zu 
diesem Geltungsgrund rechtswirksam gekommen, steht sein Bestand ebenso wie der dahin- 
ter stehende Vertragswille ausser Frage (denn genau dieses Ziel ist ja gerade der Sinn und 
Zweck des Abschlusses eines Vertragsabschlussverfahrens) und kann — vernünftigerweise — 
nicht nachträglich in verschiedene Bestandteile, die ein unterschiedliches Schicksal erfahren 
können, zerlegt werden. Deshalb, weil ein solches unterschiedliches Schicksal nicht möglich 
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