5.1.1.2 
richtshof im Rahmen seiner Funktion als Normenkontrollgerichtshof 
vorbehalten?094. 
Von dieser Einschränkung abgesehen steht die Zuständigkeit, 
d.h. das Recht und die Pflicht der Anderen Gerichte zu einer Ausle- 
gung des Völkervertrags- im Landesrecht, seit StGH 1978/8 ausser 
Frage: Ebenso wie die Sonstigen Vollzugsorgane sind auch die Ande- 
ren Gerichte dazu befugt (berechtigt und verpflichtet), das Vólker- 
vertrags- im Landesrecht auszulegen. Im Sinne dieser Selbstverstünd- 
lichkeit hat der Staatsgerichtshof die Tatsache, dass die Auslegung 
von Art. 14 ERHÜ ,durch die liechtensteinischen Rechtshilfeinstan- 
zen ... kürzlich eine Ánderung hin zu einer grosszügigeren Rechts- 
hilfepraxis erfahren (hat)"?095, seiner Praxis in StGH 2000/32 nicht 
nur implizit, sondern explizit zugrundegelegt und damit auch in ei- 
nem ,kompetenziellen' Sinne anerkannt (wenn es einer solchen Be- 
státigung überhaupt noch bedurft hätte). 
Sonstige Vollzugsorgane 
Der vom Staatsgerichtshof in StGIT 1978/8 aufgestellte Grundsatz, 
dass ,die Auslegung vólkerrechtlicher Vertráge nicht nur dem Ge- 
setzgeber (zusteht)"?0996 und dass , die liechtensteinischen Gerichte ... 
zur Interpretation der direkt anwendbaren Vertragsnormen, die für 
den Ausgang eines anhángigen Streitfalles relevant sind^?097, be- 
rechtigt und verpflichtet sind, wirkt sich auf die Zuständigkeit der 
Sonstigen Vollzugsorgane insofern aus, als vólkerrechtliche Vertráge 
durch sie nicht nur ,im Einzelfall .. angewendet und durchge- 
führt/?098, sondern auch ausgelegt werden kónnen; die (individuell- 
konkrete?099) Anwendung bzw. Durchführung eines vólkerrechtli- 
chen Vertrages setzt dessen Auslegung in der Regel voraus. 
In diesem Umfang ist die Rechtslage die gleiche wie in Bezug 
auf das Landesrecht: Aufgrund der Integration des Vólkervertrags- 
rechts in die liechtensteinische Verfassungsordnung?!0? gelten die 
Handlungsanweisungen der Art. 78 und 92 LV für den Vollzug so- 
wohl des Landes- als auch des Vólkervertragsrechts. 
2094 Siehe hierzu das 19. Kapitel Pkt. 3.3.4.2. 
2095 StGH 2000/32, n. publ., Pkt. 2.1 der Entscheidungsgründe, S. 13 des Entscheidungstextes. 
2096 StGH 1978/8, LES 1981 S. 7. 
2097 StGH 1978/8, LES 1981 S. 7. 
2098 StGH 1978/8, LES 1981 S. 6. 
2099 D.h. nicht die generell-abstrakte Durchführung durch die Regierung in Form einer Verord- 
nung. 
2100 Siehe hierzu das 6. Kapitel Pkt. 4.2. 
392
        

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