ordnung folgt, ob sie also einem strengen oder einem gemässigten 
Monismus nahe steht, ist seiner Praxis jedoch nicht zu entnehmen 1816, 
Dies ist vor allem deshalb bedauerlich, weil aus Indizien in 
diesem Zusammenhang auf den Stellenwert des Vorrangs des Völ- 
kervertrags- vor dem Landesrecht in der liechtensteinischen Verfas- 
sungsordnung geschlossen werden kónnte!8!7 — auch wenn die Aus- 
einandersetzungen, die (vor allem in der vólkerrechtlichen Lehre) zu 
dieser Frage geführt worden sind, eine ,Hyperthrophie von Legal- 
fiktionen"!8!8 bilden und auch wenn das Bekenntnis zu einer be- 
stimmten Ausformung der Lehre des Monismus' zu keinem be- 
stimmten, d.h. zu keinem von Beginn an feststehenden Ergebnis 
zwingen mag!919, Rückschlüsse aus der Praxis des Staatsgerichtsho- 
fes sind unter diesem Gesichtspunkt also nur sehr eingeschränkt 
möglich; im Unterschied zur VBI'820 ist der Staatsgerichtshof einer 
Antwort auf die Frage nach der ‚Präferenz’ der LV (strenger oder 
gemässigter Monismus?) in den Vergangenheit aus dem Weg gegan- 
gen. 
Trotz dieser nach wie vor unerfüllten Schuld ist darauf hin- 
zuweisen, dass der Staatsgerichtshof in seiner Praxis immer wieder 
von einem Vorrang 1821 oder von einer Suprematie 1822 des Völker- 
vertrags- in seinem Verhältnis zum Landesrecht oder davon gespro- 
chen hat, 
1816 Siehe hierzu das 6. Kapitel Pkt. 4.2. 
1817 Siehe zum Umfang der Möglichkeit, aus den verschiedenen Varianten des Monismus’ auf die 
Bedeutung des Vorrangprinzips zu schliessen, sowie zur Bejahung oder Verneinung der Fra- 
ge, ob ein echter Konflikt zwischen dem Völkervertrags- und dem Landesrecht in Abhängig- 
keit der verschiedenen Varianten des Monismus’ möglich ist, die vor allem ideengeschichtli- 
chen Hinweise bei Ipsen S. 1072tf, Holzer S. 6ff oder Hangartner (Völkerrecht) S. 675, der die 
Variante des radikalen Monismus’ mit dem Satz ‚Völkerrecht bricht Landesrecht’ gleichsetzt. 
1818 Wildhaber (Antwort) S. 2. 
1819 So kann — mit Epiney (Primat) S. 552 — auch für Liechtenstein festgestellt werden, dass sich 
jene Teile der LV, ,die deren monistische Konzeption erkennen lassen", nur auf die ,transfor- 
mations- und vollzugsbefehlslose' Geltung des Vólkervertrags- im Landesrecht beziehen. Ei- 
ne Aussage über Rang und/oder Vorrang des Vólkervertrags- im Landesrecht ist ihnen eben- 
so wenig zu entnehmen wie nach Epiney (Primat) S. 553 ,der Konzeption des Monismus ... 
unabhängig von der Verfassungstradition". 
1820 Siehe hierzu z.B. VBI 1997/85, Jus&News 2/1998 S. 191, wo es heisst: ,Für Liechtenstein 
und alle Staaten, die das monistische System anwenden, gilt ... bei Konflikten zwischen 
EWR-Bestimmungen und gesetzlichen (landesintermen) Bestimmungen, dass die EWR- 
Bestimmungen ... aufgrund des monistischen Systems automatisch ... vorgehen". 
1821 Siehe hierzu StGH 1993/18 und 1993/19, LES 2/1994 S. 58 oder StGH 1993/21, LES 1/1995 
S. 16. 
1822 StGH 1998/9, LES 3/1999 S. 183. 
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