Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
36
Erscheinungsjahr:
2003
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000205868/20/
men hang oft zu Unrecht vergessene16– Fürstentum Liechtenstein hatte in seiner Verfassung von 1921 einen Staatsgerichtshof institutionalisiert, der mit Inkrafttreten des Staatsgerichtshofsgesetzes Ende 1925 seine Ar - beit aufnahm.17Gerade in der liechtensteinischen Konstruktion der Ver - fas sungs gerichtsbarkeit nahm und nimmt das Institut der Verfassungs - be schwerde bzw. Individualbeschwerde eine wegweisende, zentrale Funk tion ein. Darauf ist zurückzukommen.18 bb)Von den Individualständebeschwerden zur echten Grundrechts - beschwerde Sieht man einmal von den so genannten Immediatssuppliken19, das heisst Beschwerden von Untertanen gegen Gerichtsurteile oder Ver wal - tungsentscheidungen unmittelbar an den Monarchen als den eigentlich höchsten Richter, ab,20so können die Individualständebeschwerden des süddeutschen Konstitutionalismus21als Vorläufer der heutigen Indivi - dual verfassungsbeschwerde aufgefasst werden. Diese Landesverfassun - gen begründeten das Recht des Staatsbürgers, sich an die Stände zu wen- 20Das 
Institut der Verfassungsbeschwerde im deutschsprachigen Raum 16Siehe schon den Hinweis bei Wolfram Höfling, Die liechtensteinische Grundrechts - ord nung, LPS 20, 1994, S. 33 mit FN 74; vgl. aber auch Ludwig K. Adamovich, Verfassungsgerichtsbarkeit in Österreich, in: Bernd Wieser/Armin Stolz (Hrsg.), Ver fassungsrecht und Verfassungsgerichtsbarkeit an der Schwelle zum 21. Jahrhun - dert, S. 7 ff. (7): «Versetzen Sie sich bitte mit mir in die 20er Jahre dieses Jahr hun - derts. Die Republik Österreich und die neu geschaffene Tschechoslowakische Republik haben sich neue Verfassungen gegeben; da wie dort wurde ein Ver - fassungsgerichtshof geschaffen. Das kleine Fürstentum Liechtenstein erhält mit sei- ner Verfassung von 1921 einen Staatsgerichtshof». 17Zur Entstehungsgeschichte der Verfassungsgerichtsbarkeit in Liechtenstein siehe vor allem Herbert Wille, Die Normenkontrolle im liechtensteinischen Recht auf der Grundlage der Rechtsprechung des Staatsgerichtshofes, LPS 27, 1999, S. 30 ff.; ders., Verfassungsgerichtsbarkeit im Fürstentum Liechtenstein – Entstehung, Ausgestal - tung, Bedeutung und Grenzen, in: ders. (Hrsg.), Verfassungsgerichtsbarkeit im Fürs ten tum Liechtenstein. 75 Jahre Staatsgerichtshof [im Folgenden zitiert: Fest - gabe Staatsgerichtshof], LPS 32, 2001, S. 9 ff. 18Dazu siehe unten sub b), S. 24 ff. 19Der berühmteste Fall betraf den des Müllers Arnold; hierzu s. etwa Walter Jellinek, Verwaltungsrecht, 3. Aufl., 1948, S. 85 ff. 20Zur «Ähnlichkeit mit der Verfassungsbeschwerde ...noch in ihren Gebrechen und Schwierigkeiten» jüngst Gerd Roellecke, Zum Problem einer Reform der Verfassungsgerichtsbarkeit, JZ 2001, 114 (118). 21Hierzu etwa Karl Kreuzer, Vorläufer der Verfassungsgerichtsbarkeit im süddeut- schen Konstitutionalismus, EuGRZ 1986, 94 ff.
        

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