Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/82/
weit, bis wir auf halbem Weg von einem Triesenberger Bauern gefunden und den geängsteten Eltern und Grosseltern zurück gebracht wurden. Freilich gibt es zwei starke Prägungen, die jenseits von Klassen-, Geschlechts- und andern Differenzen – nein, nicht jenseits, das ist falsch, sondern durch sie hindurchgehend, sie prägend und von ihnen geprägt – so etwas wie eine Liechtensteinische Identität herstellen könnten: die Sprache und die Landschaft. Aber beide decken sich nicht ganz mit dem Staatsgebilde, das, übrigens von aussen und ziemlich weit her, auch spät erst, den Namen Liechtenstein erhalten hat. Dies letztere wird von den Liechtensteiner gern vergessen. Oft habe ich von Liechtensteinern gehört, wenn von den USA die Rede war, die Amerikaner hätten keine wirkliche Tradition und Geschichte. Es kommt selten vor, dass ich die USA verteidige, schon gar nicht, seit sie zur glo- balen Supermacht geworden sind; aber bei solchen Aussprüchen, muss ich dann doch darauf hinweisen, dass Liechtenstein als Staatsgebilde nicht so viel älter ist als die USA, und dass die USA ihre nationale Iden - ti tät in einem Unabhängigkeitskrieg und durch einen traumatischen Bürgerkrieg hindurch erkämpft haben. Die Liechtensteiner sind zur ih- rer nationalen Namensidentität gekommen wie die Jungfrau zum Kind, so wie sich ja auch der liechtensteinische Staatsfeiertag nicht etwa auf ei- nem geschichtlichen Ereignis oder gar einer geschichtlichen Tat gründet, sondern sich eher fast zufällig aus der Geburtstagsfeier eines der liech- tensteinischen Fürsten ergeben hat. Vielleicht wäre jetzt die Gelegenheit da, in der gemeinsamen Ausarbeitung einer wirklich demokratischen Verfassung und gegen jedes fürstliche Diktat und fürstliche Berufs ver - bot, so etwas wie eine wirkliche politische und staatliche Identität zu konstituieren. Sie wird sich freilich nicht durch klammheimliche Kompro missformationen mit dem Fürsten herstellen; und sollte sie möglich werden, kann und soll sie nicht die tiefgehenden Konflikte und Widersprüche, die in der jetztigen Verfassungsdiskussion, so weit es eine gibt, aufbrechen, übertünchen. Nur als eine, die offen wäre auf ihre ei- gene innere Widersprüchlichkeit hin, hätte Identität einen prekären Bestand, der nicht auf paranoische Feindbilder und Ausschliessungen angewiesen ist. Es gibt, wie gesagt, die Sprache, den Dialekt, freilich nicht 
den Liech tensteiner Dialekt, sondern fast jedes Dorf hat seinen eigenen, zu- mindest Nuancierungen, auch wo, wie zwischen Triesen, Vaduz und Schaan, die Differenzen eher klein, kaum hörbar sind. Aber schon die 82Rainer Nägele
        

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