Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/76/
eine liechtensteinische Mama hat, fühlt er sich in der Regel mit dem Land verbunden, dann will er Staatsbürger dieses Landes sein und dort- hin gehören, wo er sich heimisch fühlt. Ich habe für verschiedene liech- tensteinische Mütter, die mit einem Ausländer verheiratet waren, wegen der Weitergabe des liechtensteinischen Staatsbürgerrechtes an ihre Kin - der einen Prozess vor dem Staatsgerichtshof geführt. Der Staatsgerichts - hof hat die Verfassungsbeschwerde abgewiesen. Er hat nur vier Seiten ge braucht, um meine 15-seitige Beschwerde zu begründen. Er wollte nicht oder hat sich einfach nicht getraut, seiner Aufgabe als Hüter der Ver fassung gerecht zu werden. So sehe ich das. Obwohl auch alle anderen Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Gleichberechtigung beim Staatsgerichtshof eingereicht wurden, ab gewiesen worden sind, waren das keine unnützen Aktionen. Diese Ver fahren hat es gebraucht, um einen Bewusstseinsprozess in Gang zu setzen. Es braucht immer einen starken Impuls, bis überhaupt etwas in Bewegung kommt. Ich bin der Meinung, wir haben uns noch recht fried- lich verhalten. Wir hätten uns aggressiver verhalten können, wenn man bedenkt, was wir alles durchgemacht haben. Die liechtensteinischen Frauen sind meiner Meinung nach einen sehr sanften Weg gegangen. Die Männer haben immer die Politik der kleinen Schritte beschworen. Die Frauen waren zwar nicht überzeugt, dass das der richtige Weg ist, aber sind nicht militant geworden. Sie haben mit konstantem und stetem Druck ihre Sache vorangetrieben. In den neunziger Jahren haben ganz wesentliche Änderungen statt- gefunden. Ich hatte das Gefühl, es wird endlich akzeptiert, dass die Gleich berechtigung konsequent verwirklicht wird. Auch die ganz Fana - ti schen haben schliesslich eingesehen, dass Liechtenstein nicht unter- geht, wenn die Frauen mitreden. Das ist immerhin ein Fortschritt. Wenn man zurückblickt, ist das trotz allem sehr schnell gegangen. Jahr hun - derte lang nichts und dann hat es in kurzer Zeit «knall» gemacht, obwohl die Gleichberechtigung bis jetzt nur auf der rechtlichen Ebene verwirk- licht ist. Ob sie auch im täglichen Leben gilt, weiss ich nicht. Ich selbst habe keine negativen Erfahrungen gemacht. Ich weiss nicht, wie die Rea - li tät aussieht. Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist, Gott sei Dank, auf dem Papier mehr oder weniger verwirklicht. Das ist gut. Die Basis, die Frauen brauchen, um ihr Leben in privater, beruflicher und politischer Hinsicht erfolgreich gestalten zu können, ist gegeben. Aber es besteht 76Isolde Marxer
        

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