Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/74/
macht. Nachher hiess es, die Gesetze ändern, die uns benachteiligten. Die Ungleichbehandlung hat mich sehr stark betroffen. Ich konnte sie nicht akzeptieren. Sie bedeutete für mich eine Geringschätzung, wenn nicht sogar eine Verachtung meiner Person. Gerade vor 1984 hat mir das sehr zu schaffen gemacht. Ich war noch im Studium und sehr froh, dass ich keine Steuern zahlen musste. Es wäre noch viel schlimmer gewesen, wenn ich Steuern zahlen hätte müssen ohne in der Politik mitreden zu können. Anfang der achtziger Jahre ist die Gleichberechtigungsfrage mit der Aktion Dornröschen aktiviert worden. Ich habe zu jener Zeit mein Studium begonnen und war deshalb nicht in Liechtenstein. Deshalb war ich auch nicht aktiv an der Bewegung beteiligt. Ich weiss noch, wie man sich «das Maul zerrissen hat» über die Aktivistinnen und zwar auf die übelste Weise. Ich habe das als höchst verachtend empfunden. Den Frauenstimmrechtsprozess 1982 vor dem Staatsgerichtshof habe ich von Innsbruck aus mitverfolgt. Ich kann mich noch gut erin- nern. Am Tag, als das Urteil eröffnet wurde – die Beschwerde wurde ab- gewiesen – war ich sehr enttäuscht. Ich habe aus Zorn sogar geweint. Es ging mir sehr nahe. Ich konnte es fast nicht glauben. Ich empfand das ab- weisende Urteil als Verletzung meiner Persönlichkeit als Frau. Es war sehr schwer für mich, das zu akzeptieren. Das Ganze hatte eine tiefe psy - cho logische Komponente. Es ging ja darum, dass ich – nur weil ich eine Frau bin – keine politischen Rechte haben soll. Das war durch überhaupt nichts zu rechtfertigen, ausser durch wenig überzeugende juristische Winkelzüge. Da hat sich manifestiert, wo die Macht im Staat ist, dass das Recht nur dann oder nur so gilt, wie es die Mächtigen interpretieren. Dieses einer gewissen Macht Ausgeliefertsein war das Schlimmste. Weil wir Frauen keine politische Macht hatten, konnten wir auch frauen- feindliche Politiker gar nicht abwählen. Sonst kann man in einer Demo - kratie zumindest sagen, ich wähle ab. Doch wir waren dieser Macht aus- geliefert. Das war sehr schmerzlich. Ich habe mich gefreut, als die Frauenstimmrechtsabstimmung 1984 positiv ausgegangen ist. Ich habe mich auch gefreut, dass die Männer un- ter Druck gesetzt worden sind, damit sie endlich ja zum Frauenstimm - recht sagen. Vorher ist nämlich eine Delegation von Frauen zum Euro - parat nach Strassburg gereist und hat auf internationaler Ebene auf die Diskriminierung der Frau in Liechtenstein aufmerksam gemacht. An je- nem Abstimmungssonntag im Jahr 1984 war in Vaduz ein Volksfest. Ich 74Isolde Marxer
        

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