Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/73/
hende Generation, z.B. die meiner Mutter. Aber die Welt erklären, das tun auch heute noch die Männer. Da müsste man einen Schritt machen. Es gibt nicht eine Erklärung, es gibt mindestens zwei: Män - ner und Frauen sehen die Welt. Das müsste man nebeneinander ste- hen lassen.» Ich wollte eigentlich nie Anwältin werden. Vielleicht auch deshalb, weil mein Vater das unbedingt wollte. Mit der Zeit habe ich dann gefunden, das wäre doch das Richtige für mich. Ich habe in Innsbruck Jus studiert. Es ist mir leicht gefallen, und nach dem Studium habe ich in einer liech- tensteinischen Rechtsanwaltskanzlei als Praktikantin gearbeitet. Dabei wurde mir klar, dass ich Rechtsanwältin werden wollte. Ich fühle mich sehr wohl in diesem Beruf, eigentlich ist es mein Traumberuf. Ich bin eine absolute Gerechtigkeitsfanatikerin. Ich war das in jun- gen Jahren noch viel stärker. Aber ich musste dann doch mit der Zeit feststellen, dass die Juristerei nicht viel mit Gerechtigkeit zu tun hat. Das Recht wird interpretiert und zwar so, wie diejenigen, die das Sagen ha- ben im Staat, es interpretieren. Ausserdem hat man nur dann Recht, wenn man seinen Anspruch beweisen kann. Das ist die Erfahrung, die ich bis heute in meinem Beruf gemacht habe. Ich habe meine Karriere nicht besonders geplant. Nach der An - walts prüfung habe ich nur eine gute Anwältin werden wollen. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, Präsidentin der Anwaltskammer zu werden. Das hat sich durch glückliche Umstände so ergeben. Diese Aufgabe macht mir viel Spass, denn die berufspolitische Tätigkeit ist sehr spannend. Ich bin ein politischer Mensch und deshalb entspricht mir diese Funktion. Ich habe in Bezug auf meine Karriere keine fixe Vorstellung, wie sie sich entwickeln sollte, aber ich bin immer offen für Neues. Ich interessiere mich für Politik im Allgemeinen, für das mensch - liche Zusammenleben und die Regeln, die man dafür aufstellt. Die Re - geln sind absolut notwendig. Ob solche Regeln gut oder schlecht sind, das interessiert mich schon. Ich engagiere mich auch. Es liegt in der Ver - antwortung eines jeden Einzelnen, sich darum zu kümmern, was in der Gemeinschaft gilt und wie man die Gemeinschaft gestaltet. Als Frau war ich durch die Ungleichbehandlung, die uns widerfah- ren ist, betroffen, auf jeden Fall bis 1984, bis wir überhaupt etwas zu sa- gen hatten. Mit dem Frauenstimmrecht war ja nur ein erster Anfang ge- 73 
Die Frauen haben mit konstantem und stetem Druck ...
        

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