Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/60/
des Landes.5Im Laufe der Zeit veränderte sich mit dem gesellschaft - lichen und politischen Wandel dieses liechtensteinische Selbstverständ - nis. War in den Tagen Peter Kaisers die Emanzipation der Bevölkerung wichtigste Grundlage der gemeinsamen Identität, gekennzeichnet durch die Einforderung politischer und bürgerlicher Rechte, abgetrotzt von der Obrigkeit, so war es gerade die Solidarität mit dieser Obrigkeit, die ein knappes Jahrhundert später die liechtensteinische Identität wesent- lich bestimmte. Während des Zweiten Weltkriegs und der Jahre danach wurde es der «Weisheit» des Fürsten und seiner – teilweise bestehenden, teilweise erhofften – Beziehungen zu den Mächtigen des Krieges zuge- schrieben, dass Liechtenstein von seinen Wirren weitgehend verschont blieb. Das Bild der Fürstin, wie sie tatkräftig mithilft, die Not der Nach - kriegs jahre zu lindern, hat nach wie vor Symbolcharakter für diese Zeit. Die «Unverwundbarkeit» Liechtensteins wurde somit zu einem grossen Teil den Verdiensten des beschützenden Fürstenpaares zugeschrieben. Die damit verbundene Überzeugung, das Glück des Staates Liechten - stein sei auch in Zukunft unmittelbar mit seiner monarchistischen Tradi - tion verbunden, bleibt bis heute wesentlicher Bestandteil des liechten- steinischen Selbstverständnisses und prägt unter anderem auch die aktu- elle Diskussion zur 
Verfassung. Risse im Mythos der Unverwundbarkeit Dieser Mythos der Unverwundbarkeit bestätigte sich in der rasanten Ent wicklung des Landes in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg: Der erstaunliche wirtschaftliche Aufschwung seit den 60er Jahren machte in- nerhalb von zwei Generationen aus einem kleinbäuerlich strukturierten Agrarstaat ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten für seine Bewoh - nerinnen und Bewohner. Der mit dem Aufbau des hochentwickelten Industrie- und Dienstleistungsstaates einhergehende Wohlstand, der sich in einem der weltweit höchsten Pro-Kopf-Einkommen manifestiert, 60Alicia 
Längle 5Eine Schlüsselrolle in der Revolutionsbewegung spielte der Historiker und Pädagoge Peter Kaiser, der mit seinem Buch «Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein» von 1847 den «bürokratischen Staatsabsolutismus» kritisierte und unter der Bevölkerung ein «Bewusstsein der gemeinsamen Geschichte und des gleichen Schicksals» schuf. Vgl. Brunhart, 1993.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.