Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/38/
mend nebensächlich. Durch die Kommunikationsrevolution ist Identität unabhängig vom Ort geworden. Passworte sind heute wichtiger als der Pass. Neben Bank-, Versicherungs-, Cumulus-, Telefon-, Qualiflyer- Karte weisen der Pass oder die ID nur noch eine weitere Mitgliedschaft aus. Unsere Identität basiert heute immer weniger auf der Zugehörig- keit zu einer bestimmten Nation und immer mehr auf einem individuel- len Portfolio verschiedener Mitgliedschaften. An die Stelle einer einheit- lich festen Identität, auf der Basis nur einer Sprache, nur einer Staats  zuge hö rig keit und nur eines Berufs treten multiple, situativ austausch- bare Iden ti tätsmodule aus denen dann jeder seine eigene massgeschnei- derte Identität fertigen kann. Konsequenterweise sieht denn auch der neuste Release des weltweit meistgenutzen E-Mail-Programms bereits in der Standardeinstellung mehrere Identitäten für einen einzelnen Nut - zer vor. Dank der modernen Kommunikationstechnologie kann man heute in mehreren Gesellschaften zur gleichen Zeit leben. Anthropologen ha- ben für diese entterritorialisierten, übernationalen Lebensformen den Begriff hybride Identität geprägt. Die schwindende Bedeutung des Terri torialen lässt sich dabei mit dem Unterschied von Garten und Topfpflanzen vergleichen – letztere haben zwar Wurzeln, ohne die sie nicht leben können, doch diese Wurzeln sind tragbar. Beim Umzug kön- nen sie mitgenommen werden. Nationale Eigenarten werden im Zuge der Globalisierung zuneh- mend aufgelöst. Im Unterschied zu grossen Ländern wie den USA, die alle Aspekte ihrer Kultur und ihres sozialen Lebens in Filmen, Fern seh - serien, Nachrichtensendungen usw. zum Ausdruck bringen können, sind in Mikrostaaten wie Liechtenstein, die Möglichkeiten zur Selbst the - ma tisierung und zur Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur sehr begrenzt. Nicht unbedingt, weil die entsprechenden Mittel fehlen, son- dern, weil die Unterschiede zu den Nachbarn immer kleiner werden und damit auch die Eigenart, die die nationale Identität ausmacht, ver- schwindet. Der Rhein, die Berge, der Dialekt, die Kleinheit und Über- schaubarkeit als Identifikationsangebote verblassen umso mehr, je weni- ger wir am liechtensteinischen Alltag teilnehmen, je weniger sie Teil un- serer eigenen Erfahrung sind und nur noch in den Geschichten weiterle- ben, die wir von Eltern und Grosseltern hören. Und die Eigenarten, die von aussen zugeschrieben werden, also der Zwergstaat, der Fürst, der Bischof, die Briefmarken, die Briefkästen und der Reichtum, leben 
vor 
Karin Frick 38
        

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