Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/37/
Von aussen betrachtet, verliert Liechtenstein seine Identität Karin Frick Identität ist nicht mehr, was sie einmal war. Wer wir sind, wird immer weniger bestimmt durch unsere Herkunft und immer mehr durch das, was wir tun, was wir können, was wir meinen, was wir mögen oder was wir kaufen. Heute besteht ein wachsender Markt an Identifikationsange - bo ten, auf die wir zurückgreifen können. Dabei konkurrieren Nation, Religion und Familie mit Automarken, Mode-Labels, Freizeitparks, Business-Schools, Softwarefirmen, Hollywood, Sportclubs und virtuel- len Gemeinschaften. Die herkömmlichen Identitätskonzepte sind ausgerichtet auf Ein - heit und Stabilität. Identität ist idealerweise etwas, das sich einmal im Leben, in der Phase der Jugend, festlegt und dann für immer unverändert bleibt. Vaterland, Religion und Familie geben Orientierung und garan- tieren langfristig stabile Lebensperspektiven. Traditionen regeln den pri- vaten und beruflichen Alltag. Diese Identität ist verankert im Ort, aus dem wir stammen und gebunden an die Gemeinschaft, in der wir aufge- wachsen sind. Die Herkunft prägt die Identität nachhaltig, so dass auch Leute, die jahrelang im Ausland leben, immer wieder zurück gezogen werden an den Ort, aus dem sie kommen. Diese Identität, an der wir noch hängen, entspricht jedoch nicht mehr dem, was wir sind. Neuere Identitätskonzepte bauen auf Vielfalt und Flexibilität. Im Vordergrund steht die individuelle Identitätsbildung, die Bedeutung der gemeinsamen kulturellen Identität dagegen tritt in den Hintergrund. Das Besondere, das uns von anderen unterscheidet, wird wichtiger als das Gemeinsame, das uns durch die Herkunft vereint. Die Ausbildung an der ETH, der MBA-Abschluss in Stanford, drei Jahre bei Microsoft, zwei Jahre bei McKinsey, fünf Jahre bei Hilti, die Mitgliedschaft beim Golfclub und die Besteigung des Kilimandscharo definieren in weit stär- kerem Mass, wer wir sind, als unser Geburts- und Heimatort. Nationale Herkunft als Grundstoff, der dem Leben Bedeutung gibt, wird zuneh- 37
        

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