Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/24/
ginnenden Tendenz zur «Verschweizerung» und der heute erkennbaren Internationalisierung der «liechtensteinischen» Kultur ist, zumindest in sprachlicher Hinsicht, viel Eigenständiges erhalten geblieben. Können wir also doch von einer spezifisch liechtensteinischen Identität spre- chen? Wenigstens in sprachlicher Hinsicht? Von einer Identität, die mehr verkörpert als bloss gleichzeitig «halb Schweizer» und «halb Österrei- cher» zu sein?4 Wenn die liechtensteinische Bevölkerung gewillt ist, sich zur eige- nen staatlichen (und auch, auf untergeordneter Ebene, zur kommunalen) Gemeinschaft zu bekennen, so wächst auch das Bedürfnis, sich einer spezifischen Identität bewusst zu werden und diese auch zu definieren. Kern dieser (Gruppen-)Identität bildet die eigene Familie, darüber hin- aus folgen die Verwandtschaft, der Freundes- und Bekanntenkreis, das Dorf, die politische Gemeinde und schliesslich der Staat. Solche Iden ti - täten haben ihre Wurzeln im Vergangenen, sowohl in der (lokalen) Geschichte als auch in der eigenen Ahnenreihe. Hier kommt die Ge - schichts forschung in ihrer Funktion als identitätsstiftendes Medium voll zum Tragen. Im Vorwort zu seinem Buch «Die Geschichte des Fürsten - thums Liechtenstein nebst Schilderungen aus Churrätien’s Vorzeit» schrieb Peter Kaiser im Jahr 1847: «Die nachfolgenden Blätter verdan- ken ihre Entstehung dem Wunsche, welchen seine Landsleute dem Ver - fas ser oft geäussert: ‹Sie möchten wissen, woher sie stammen, wie es ihren Vorfahren ergangen und wie sie in den Stand gekommen, in dem sie sich dermal befänden›.» Die Suche nach den eigenen Wurzeln und nach einer unverwechsel- baren individuellen und zugleich gemeinschaftlichen Identität war je- doch bei der Obrigkeit oftmals nicht gerne gesehen. Das Fürstliche Haus Liechtenstein, welches 1699 und 1712 die Herrschaftsrechte über die reichs unmittelbaren Gebiete Schellenberg und Vaduz käuflich erworben hatte und diese 1719 zum Reichsfürstentum Liechtenstein vereinigen und erheben konnte, war vorerst nicht am Schicksal und an der Ent - wick lung einer selbstbewussten Identität der dortigen Bevölkerung in- 24Klaus 
Biedermann 4Zum Spannungsfeld, in welchem sich die liechtensteinische Identität zwischen den beiden Nachbarstaaten Österreich und Schweiz bewegt, siehe auch Robert Allgäuer: Zwischen Grüezi und Servus. Eine liechtensteinische Collage. In: Unsere Kunst - denk mäler. Mitteilungsblatt für die Mitglieder der Schweizerischen Gesellschaft für Kunstgeschichte. 43. Jahrgang 1992, Heft 2 (Fürstentum Liechtenstein), S. 281-289.
        

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