Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/155/
worden, weil «ma»sich Jahrzehnte damit begnügt hat, sich nur als Samm lung von Partikularinteressen zu verstehen und kein Bild von sich als etwas Ganzem gesucht hat. Es lohnt sich, das im Bereich der Finanzdienstleistung genauer an- zuschauen, und zwar anhand der Figur des Treuhänders. Der Treuhänder ist, neben dem Fürsten, die geschichtenmächtigste Liechtensteiner Figur, der Bühnencharakter, der in der Wahrnehmung von aussen vorne steht und dementsprechend häufig in den Medien auf- taucht: Der Treuhänder ist Liechtensteins Kennfigur. Wie steht es mit der Binnenwahrnehmung, dem inländischen Dis - kurs um diese Figur? Er existiert nicht – es gibt keine gesellschaftliche Auseinanderset - zung mit diesem Berufsstand. Nicht dass die Treuhänderschaft an dieser Auseinandersetzung interessiert wäre: Im Selbstverständnis als Nährer des Landes schmettert sie aufkommende Fragen mit dem Hinweis «Halt d’Schnorra – Dir nötzts jo oo!» ab. Lange hat die Treuhänderschaft an- gedeutet, dass sie direkt und indirekt für mehr als 60 Prozent des BSP verantwortlich sei und dieses Land zumindest auf der einen Schulter trage.7 Das Kollektiv lässt sich auf diese Argumente ein und schweigt zu der Figur, in der sich beispielhaft seine ethischen Konflikte kreuzen. Weil es schweigt, beantwortet es auch seine ethischen Fragen nicht. Wie lauten diese Fragen? 1. Wie fühle ich mich mit diesem Geld? (Man erinnere sich an die Ver - gif tungstheorie) 2. Was bewirkt dieses Geld in meinem Leben? (Geld als Hal lu zi - nogen) Die Absenz der Treuhänderfigur im Diskurs verhindert einen wesent - lichen Teil der Selbstwahrnehmung dieses Kollektivs. Tun und Lassen eines Treuhänders sind für sein Kollektiv nicht nach vollziehbar. Er, der eine ungeheuere Menge an Wirklichkeit in Liech ten stein generiert, bleibt schattenhaft. 155 
Geschichten, Geld und Geheimnis 7Die neue Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung reduziert den Anteil auf blosse 29 %.
        

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