Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/139/
konform verhält. Wenn sich beispielsweise ein Liechtensteiner in der Wahr nehmung mancher unliechtensteinisch gebärdet, kann man das hier zulande aus Leserbriefen in den Tageszeitungen erfahren. Was man für wahr hält, ist ein gutes Stück weit davon abhängig, für wen man sich selber hält. Wahrheit hängt von der Wahrnehmung ab. Tatsächlich lässt sich in Meinungsverschiedenheiten darüber, was zum Beispiel ein Liechtensteiner sei und was sich für so einen (nicht) ge - höre, wenig Wahres erkennen. Es handelt sich in der Regel nur um Wahr nehmungen. In einer nationalen Identitätsdiskussion sinkt der Wahr heitsgehalt in dem Masse, wie der Wahrheitsanspruch steigt. Was sich in solch einem Moment, wo die wahre Identität eines Liechten stei - ners (bleiben wir aus gegebenem Anlass mal bei ihm) zur Debatte steht, erkennen lässt, sind die Identitätsmerkmale der Gruppe, die eigentlich keine eindeutigen (mehr) sind. Im Vorhergehenden galt mein Interesse vor allem der Art und Weise, in der über die Identität gesprochen wird. Obwohl die Begriffe von der kulturellen Identität immer wieder zu hören sind, ist es alles an- dere als klar, was der Begriff als Ganzes und die Einzelteile für sich selbst bedeuten: kulturell? Identität? Trotzdem hat der Begriff gesellschaftliche Bedeutung, er ist wichtig. Identität dient der Gruppenkohäsion, sie ver- leiht auch Ansehen, schliesslich ist sie 
einlabel,das beispielsweise in der Tourismus-Werbung nutzbringend eingesetzt wird (Stichwort Image). Identität bedient natürlich auch immer wieder politische Interessen. Identität ist kaum empirisch, sondern idealistisch, nicht gefunden, son- dern erfunden. Die Identität ist auch eine Projektion und manchmal ein staatliches 
Projekt. «Es gibt Leute mit und ohne Kultur. Die ohne Kultur erkennt man daran, dass sie häufiger vorkommen.» Realschülerin, 12 Jahre10 Weiter vorne wurde erwähnt, dass Identität und Kultur sich verwischen. Die beiden Begriffe sind oft austauschbar, je nach Kontext verwendet 139 
10Zitiert nach: «Ohne Kultur wären wir Wilde mit Lendenschurz!» Leitkultur, Streit - kul tur, Unkultur – was aber verstehen unsere Kinder unter Kultur? Eine ELTERN- Umfrage. ELTERN Heft 9/2001, S. 
70-71. 
Wovon wir reden, wenn wir von Identität reden
        

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