Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/131/
Innersten, gewiss nicht an der Oberfläche, aus dem Kern unseres Selbst werden in der Identitäts- und Imagediskussion Äusserlichkeiten. Sie denken, ich sei in unnötiges Moralisieren abgerutscht.4Hatte ich doch für einen Moment selbst diesen Eindruck. Aber fassen wir etwas nach, um den roten Faden nicht zu verlieren: Soll von Liechtensteins, von «unserer» Identität die Rede sein, dann geht es durchaus um etwas Ernst haftes. (Kulturelle) Identität bezeichnet hehre Werte und achtens- werte Eigenschaften. Von Identität wird mit einer gewissen Feierlichkeit gesprochen. Doch die Feierlichkeit ist noch nicht verklungen, da hallt es reichlich mondän dazwischen: «Und was nützt sie uns, die Identität?» Politische oder sprachliche Identi tät oder die Identität eines andern Landes als des eigenen, sind weniger heikel zu diskutieren. Betrachtet man andere Länder entfällt die Selbst be fangenheit. Politische oder sprach liche Identität lassen sich in grossen Zügen nachvollziehen oder empirisch beschreiben. So reden halt Trie sen berger. Wer würde ihnen das an ihrer Identität anzweifeln oder nehmen wollen? Schreibt oder liest man dagegen über eine nationale Identität, könnte (oder sollte?) ei- nem das Fürchten kommen, weil eine derartige Identität sich nicht fest- stellen (= erkennen und fixieren) lässt, ohne sich erstens von den andern ringsum abzugrenzen. Das was als nationale Identität präsentiert werden mag, ist in Tat und Wahrheit die Alterität, das Anders-sein. Anders sein heisst aber in der Regel speziell sein, und wer speziell sagt, meint oft 131 
4Damit der Leser die Orien tierung nicht verliert, sei versucht, die Richtung der Argu - men tation anzugeben: Der Text besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen. Im ersten dreht sich alles eher um den Begriff Identität, im zweiten eher um den Begriff Kultur. Im ersten befasse ich mich mit der Problematik, wissenschaftlich, d.h. mit klaren Definitionen und mit Beweisen untermauert über «kulturelle Identität» etwas sagen zu wollen. Ebenfalls im ersten Teil gehe ich der Frage nach, warum wir eigentlich einen Begriff aus der Indidvidualpsychologie, die Identität eines Menschen, herange- nommen haben, um über ein eigentlich gesellschaftspolitisches Verlangen nach Identität zu reden? Müsste man die Identität einer Bevölkerungsgruppe, einer Gesell schaft, nicht ergiebiger mit anderen Lupen, nicht mit denen der Individual - psycho logie untersuchen? Wenn man so von Identität redet, geht es gewissermassen um des Pudels Kern, um Liechtenstein an und für sich. Im zweiten Teil versuche ich es dann anders: Ich suche weniger nach dem Kern, als dass ich versuche, den Pudel zu beschreiben. Man geht von der Existenz aus, von den Umständen, den Begeben - heiten, die allenfalls eine Iden ti tät erkennen lassen. Dieser Teil ist empirischer: Ich werde aber nicht gängige Elemente der Kultur (Architektur, Kunst, Musik, Lite - ra tur ...) und in der Folge Kultur als Summe all dieser Teilbereiche zu beschreiben versuchen. Stattdessen befasse ich mich mit andern Aspekten der Kultur, solchen die weniger greifbar (weil «luftig» oder in Bewegung) sind 
... 
Wovon wir reden, wenn wir von Identität reden
        

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