Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
34
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000147462/124/
Als Ausländer in Liechtenstein Manfred Schlapp Vorab ein Wort zum Titel: Er stammt nicht von mir. Mein Titelvorschlag lautete: «Das Kreuz mit der Identität». Gleichwohl will ich versuchen, mich dem Titel «Als Ausländer in Liechtenstein» anzunähern, auch wenn mir eine solche Thematik wesensfremd ist. Niemals und nirgends habe ich mich als Ausländer gefühlt, wohin auch immer meine Wege mich führten. Um so grösser war mein Erstau - nen, als ich seinerzeit nach Liechtenstein kam und Menschen antraf, die sich im Ausland wähnten, wenn sie in Buchs oder Feldkirch einkaufen gingen. Ich verstand die Welt nicht mehr. Mir waren derartige Ein stel - lun gen fremd, egal ob ich nach London, Paris oder Rom, nach Athen, Bukarest oder St. Petersburg reiste. Ja, auch ausserhalb des euro päischen Kulturkreises überkam mich so gut wie nie der Gedanke, ein Ausländer zu sein. Ich kannte und kenne nur das existentielle Gefühl der Jemeinig - keit, eine Grundstimmung, die einen jeden von uns zum Frem den macht, unabhängig davon, wo wir unsere Zelte aufschlagen. Als Ausländer im Sinne des Titels fühlte ich mich ein einziges Mal: Als ich in den frühen sechziger Jahren nach Afghanistan trampte, wurde ich bei der Durchquerung des Iran in ländlichen Gegenden immer wie- der mit Steinen beworfen und wie ein Hund unter Steinwürfen aus dem Dorf gejagt. In diesen Hassorgien kam aber weniger die im Titel impli- zierte Xenophobie zum Ausdruck als vielmehr ein Wahnsinn, der un- ausrottbar zu sein scheint und der immer neues Unheil erzeugt: der kol- lektive Wahn. Dieser Wahnsinn, zumal der religiöse Wahn, schreibt die blutigsten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Er ist ein Thema für sich, das aber gott lob nicht hierher gehört. Zurück zur eigentlichen Thematik: 1967 führte mich ein Zufall nach Liechtenstein, und ein Zufall war es auch, der mich im Lande festhielt. Am Rande sei erwähnt, dass Zufälle fast immer einen Namen tragen (bei Männern in der Regel einen weiblichen). Solchen Zufällen verdanke ich 124
        

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