Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
33
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000145819/51/
Spillover-Effekte ergeben sich beispielsweise bei der expliziten Ver knüp - fung von Verträgen oder wenn Regimeänderungen zu Vertragskollisio - nen führen. Eine Verschachtelung von Regimen kann es leichter oder schwieriger machen, bestimmte Fragen (aus sachlogischen oder takti- schen Gründen) zu verknüpfen oder Kompensationen zu arrangieren. Die Verknüpfung benachbarter Politikfelder kann beispielsweise den Interessenausgleich der Mitglieder erleichtern und einem neuen Regime mehr Stabilität verleihen, aber auch Konflikte aus anderen Regimen übertragen.114Ein Spillover kann somit die Regimeentwicklung einer- seits durch neue Impulse dynamisieren, andererseits aber auch bremsen. Der Effekt ist umso stärker, je direkter die Verbindung zwischen den Regimen ist. Da die Regimeforschung meist nur einzelne Politikfelder isoliert be trachtet, ist die Frage der Kompatibilität von Regimen kaum unter- sucht worden. Bernauer und Ruloff unterscheiden folgende Formen der Beziehungen zwischen internationalen Regimen: keine Berührungs - punkte, kompatible Koexistenz, unproblematische Überlappung, gegen- seitige Ergänzung, Interdependenzen, gegenseitige Stützung (Synergie - wir kungen), virtuelle Verknüpfung aus politischen Gründen (Junktim) sowie Widersprüche wegen Inkonsistenzen, Inkompatibilitäten und/ oder Überlappungen.115Bei Kompatibilitätskonflikten zwischen Regi - men sind folgende Regelungen denkbar: Lösung des konkreten Pro - blems ohne Änderungen in den Regimen, Vereinbarung von Aus nah men für die beteiligten Akteure, Anpassung eines Regimes, Har mo ni sierung von Regeln und Prozeduren beider Regime oder eine Fusion bzw. die Übernahme eines Regimes durch das andere.116Für die politische Bearbeitung von Kompatibilitätsproblemen sind die verfügbaren institu- tionellen Strukturen, Macht und Interessen der beteiligten Akteure 51 
Untersuchungsansatz 114 Vgl. Haas 1980. 115 Bernauer/Ruloff 1999, 32. 116 Ibid., 38. 117 Bernauer/Ruloff haben (mit Blick auf das Spannungsfeld zwischen Freihandel und Umweltschutz) die Tendenz festgestellt, dass Kompatibilitätsprobleme wahrschein- licher im stärker institutionalisierten Regime (im europäischen Integrations pro zess i.d.R. die EU) politisch bearbeitet werden, und dass Akteure mit schwächeren Verhandlungspositionen (oft Kleinstaaten) einen grösseren Anreiz haben, formali- sierte multilaterale Streitschlichtungsverfahren anzurufen, während grössere Staaten zu bilateralen Lösungsversuchen neigen, in denen sie ihre Macht besser ausspielen können. Ibid., 65, 135.
        

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