Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
33
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000145819/48/
Sie verläuft aufgrund des Zielkonflikts zwischen Selbst- und Mitbestim - mung konkav. Die Opportunitätskosten nehmen zu, d.h. je höher das Integrationsniveau, desto mehr Souveränität muss gegen zusätzliche Mitbestimmung eingetauscht werden. Die Indifferenzkurven verlaufen je nach Land verschieden, wobei die Europa-Skeptiker und -Sonderlinge zu Optionen mit mehr Selbstbestimmung neigen als die Europa-Eiferer oder -Veteranen. Auf der Indifferenzkurve (oder Nutzenfunktion) werden die Kombinationen von Selbst- und Mitbestimmung gleich be- wertet, der Akteur ist also indifferent. Sie verläuft konvex, weil ange- nommen wird, dass Durchschnittswerte (d.h. etwas von beiden) den Extre men (d.h. nur das eine oder das andere) vorgezogen werden. Das theoretisch optimale Integrationsniveau befindet sich dort, wo die Indif - fe renz kurven die Integrationskurve tangieren. In diesem Punkt sind die «Grenzrate der Integration» (das Mass an Selbstbestimmung, das aufge- geben werden müsste, um eine Einheit mehr an Mitbestimmung zu er- halten) und die «Grenzrate der Substitution» (das höchste Mass an Selbst bestimmung, das die Regierung aufzugeben bereit wäre, um eine Einheit mehr an Mitbestimmung zu erhalten) identisch. Diese Inte gra - tionslösung ist das Resultat der Spannung zwischen dem Inter depen - denz druck, welcher Gewinne durch mehr Integration verspricht, und der drohenden Fremdbestimmung, welche nach Selbst- oder zumindest Mitbestimmung verlangt. Der Bereich unterhalb der Kurve ist ineffi zient in dem Sinne, dass in Richtung der Integrations kurve und auf ihr bes sere Optionen erreichbar sind, welche sowohl mehr Selbst- als auch Mit be - stimmung bieten oder zumindest einen Aspekt fördern ohne den ande- ren zu beeinträchtigen. Die Einbusse an nationaler Selbstbestimmung kann folglich zumin- dest teilweise durch internationale Mitbestimmung kompensiert wer- den, um somit einer grösseren Fremdbestimmung zu entgehen. Unter den Be din gungen der Interdependenz muss sich Souveränität «in hohem Grade darin zeigen, wie ein Staat in der internationalen Zusammenarbeit seinen Platz zu behaupten vermag», denn «Mitbestimmung auf höherer Ebene ist teilweise an die Stelle der Selbstbestimmung getreten».107Den zunehmenden Autonomieverlust beim Einsatz ihrer Politikinstrumente 48Analytischer 
Rahmen 107Schindler 1996, 60.
        

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