Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
33
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000145819/37/
Regime. Den 
machtorientierten,realistischen Regimeansätzen zufolge bestimmt die Verteilung der Machtressourcen der beteiligten Staaten die Ent stehung und Ausgestaltung von Regimen. Die geschaffenen Institu - tio nen reflektieren die Präferenzen der dominanten Mitglieder. Die Staaten interessieren sich dabei nicht nur für den eigenen absoluten Nutzen, den sie aus einer Regimemitgliedschaft ziehen können, sondern kal kulieren auch die relativen Gewinne. Fällt der eigene Nutzen im Ver - gleich zu demjenigen der anderen Mitglieder deutlich geringer aus, er - weist sich eine Kooperation umso schwieriger. Aus dieser Sicht ist es bei- spielsweise nicht verwunderlich, dass die Schweiz in der Regional union bzw. im Zollvertragsregime gegenüber Liechtenstein eine überlegene Stel lung einnimmt. Selbst wenn ein Regime bereits besteht, schreiben machtorientierte Ansätze den Machtressourcen der Mitglieder mehr Be - deu tung zu als den institutionalisierten gemeinsamen Regeln. So kommt etwa Deutschland in der EU aufgrund seiner Bevölkerung und Wirt - schafts kraft bei qualifizierten Mehrheitsentscheidungen ein Ge wicht zu, welches nicht unbedingt der festgelegten Stimmengewichtung entspricht. Gemäss den am weitesten verbreiteten 
interessenorientierten,neoli- beralen Regimetheorien helfen internationale Regime den Mitglied staa - ten, gemeinsame Interessen zu verwirklichen. Staaten werden als ratio- nale Egoisten angesehen, welche sich vorrangig um ihre absoluten Gewinne sorgen. Regime senken die Transaktionskosten der internatio- nalen Zusammenarbeit und die Unsicherheit gegenüber den Partner - staaten und finden deshalb Unterstützung solange sie von Nutzen sind. Ihr Weiterbestehen kann selbst dann im Eigeninteresse der Mitglieder sein, wenn die Umstände, welche zu ihrer Entstehung geführt haben, sich gewandelt haben.81Das EFTA-Regime beispielsweise hat sich auch nach dem Austritt Grossbritanniens erhalten, und der EWR überlebte den Wechsel der wichtigsten EFTA-Mitglieder in die EU. Ein Absprung Norwegens würde der EWR jedoch nicht mehr verkraften, da sein auf- wendiger institutioneller Aufbau weder im Interesse der EU noch der verbleibenden EFTA-Mitglieder wäre (vgl. Kap. 6.8). Die 
kognitivenRegimeansätze kritisieren die Konzeption von Staa - ten als rationale Akteure mit gegebenen Identitäten und die Ver nach - 37 
Kleinstaaten und Integration 81Vgl. Keohane 1983, 1984, 1986, 1993c.
        

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