Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
33
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000145819/33/
Kritik am Neofunktionalismus nachdem in den 1960er Jahren die Gren - zen supranationaler Integration sichtbar wurden. Er argumentiert, dass die Nationalstaaten auch im Integrationsprozess nach wie vor die zen- tralen Akteure sind, welche vornehmlich ihre nationalen Interessen ver- folgen.71Die Spillover-Logik findet somit spätestens dort ihre Grenzen, wo nationale Schlüsselinteressen betroffen sind. Während Integration im wirtschaftlichen Bereich («low politics») denkbar ist, stösst politische Integration («high politics») auf Widerstände, da die Mitgliedstaaten ihre Souveränität schützen wollen und in vielen Bereichen intergouverne- mentale Kooperation der supranationalen Vergemeinschaftung vorzie- hen. Das Ziel ist ein Staatenbund bzw. ein internationales Regime, und Inte gration erfolgt nur, wenn ihr die politischen Eliten in allen beteilig- ten Staaten positiv gegenüberstehen. Der anfangs der 1990er Jahre formulierte liberale Intergouverne - men talismus unterscheidet sich vor allem durch den Einbezug der natio- nalen Präferenzbildung von seinem Vorgänger.72Die innenpolitisch ge- bildeten (im allgemeinen durch die dominanten Interessenkoalitionen bestimmten) Präferenzen müssen weitgehend konvergieren, um Ge - meinschaftsentscheidungen in der Form zwischenstaatlicher Verhand - lun gen über Verteilungskonflikte zu ermöglichen. Der Einfluss suprana- tionaler Akteure wird dabei als marginal betrachtet und supranationale Kompetenzen werden von Staaten nur an die EU übertragen, wenn sie das Resultat einer positiven Kosten-Nutzen-Analyse sind. Der Inter - gou ver nementalismus eignet sich insbesondere für die Erklärung jener grossen Verhandlungsrunden, welche – zumeist im Rahmen einer Regierungskonferenz – zu einer Weiterentwicklung der EU geführt ha- ben.73 Die Hauptaussagen der vorgestellten Integrationstheorien sind in Tabelle 1.2 zusammengefasst. Grundsätzlich erscheinen die Ansätze als konkurrierend, sie können sich teilweise aber auch ergänzen, denn oft setzen sie lediglich verschiedene Schwerpunkte und betrachten den Inte - gra tionsprozess aus unterschiedlichen Perspektiven. Eine Zusammen - füh rung der Integrationsansätze ist deshalb denkbar:74Erstens, der Fö - 33 
Kleinstaaten und Integration 71Vgl. Hoffmann 1966. 72Moravcsik 1991, 1993 und 1998a. 73Gstöhl 2000. 74Giering 1997a, 193–224, 261–262.
        

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