Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
33
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000145819/30/
Eliten ihre Macht an funktionale Agenturen übertragen, wenn diese ihre Aufgaben gut lösen und die Bedürfnisse befriedigen, ist nicht unbedingt gegeben. Es ist im übrigen unklar, wie die Organisationen untereinander verbunden sein sollen. Wie die Föderalisten, waren auch die Funktiona - lis ten weniger Theoretiker als Verfechter eines normativen Anliegens. Der Funktionalismus kann jedoch dazu dienen, einen Integrationspro - zess durch Überführung staatlicher Kompetenzen auf die gemeinschaft- liche Ebene in einem unkontroversen, technischen Bereich zu starten. Die Gründung der Montanunion (EGKS) und anderer sektoraler Funk - tions gemeinschaften schien dem funktionalen Ansatz in den 1950er Jah - ren Recht zu geben. Der 
Neofunktionalismusentstand zeitlich parallel zu den Euro päi - schen Gemeinschaften und war ursprünglich darauf aus, Erklärungen für den europäischen Integrationsprozess zu finden und seinen weiteren Verlauf zu prognostizieren. Im Gegensatz zu den Funktionalisten hiel- ten die Neofunktionalisten nicht an einer Trennung zwischen ökonomi- scher und politischer Integration fest, sondern gingen davon aus, dass der Prozess im wirtschaftlichen Sektor beginnt und dann in politische Bereiche übergreift. Dieser «Spillover»-Effekt (Überlaufwirkung) kommt zustande, weil die wirtschaftlichen und politischen Eliten die Vor teile der Integration erkennen und die Nachfrage nach Zusammen - arbeit in neuen Bereichen schüren.64Spillover ist ein Prozess, wonach «eine gegebene Aktion, in Bezug auf ein spezifisches Ziel, eine Situation schafft, in der das ursprüngliche Ziel nur erreicht werden kann, indem weitere Aktionen vorgenommen werden, welche wiederum zusätzliche Bedingungen und den Bedarf für weitere Aktionen schaffen, und so wei- ter».65Interessengruppen setzen sich dabei für die Vergemeinschaftung neuer Aufgaben ein, weil sie selber davon profitieren, und supranationa- le Institutionen dirigieren den Prozess, dessen Ziel ein supranationaler regionaler Zusammenschluss ist. Wie die Politik de Gaulles in den 1960er Jahren zeigte, wurde der Einfluss von Nationalismen, politischen Eliten und des externen Umfelds von den Neofunktionalisten zu Unrecht ignoriert. Der franzö- sische Präsident favorisierte eine intergouvernementale Zusammenarbeit 30Analytischer 
Rahmen 64Vgl. Haas 1958, Kap. 8. 65Lindberg 1963, 10.
        

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