Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
33
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000145819/173/
hende Nichtteilnahme an der WWU (mangelnde Integrationsfähigkeit) oder die Vergemeinschaftung von Schengen (bis auf Grossbritannien und Irland). Sechstens, kann Flexibilität nicht nur zu einer Vertiefung der Integration hinleiten, sondern auch eine neue Erweiterungsrunde ein- läuten. Die (berechtigte oder falsche) Aussicht auf eine «massgeschnei- derte» Mitgliedschaft könnte Beitrittsgesuche von «Rosinenpickern» anlocken. Diese bevorzugen im allgemeinen einen 
à la carte-Ansatz, bei dem sie sich die Bereiche der Zusammenarbeit mehr oder weniger aus- suchen können. Es dürfte sich dabei insbesondere um Kandidaten han- deln, die mit innenpolitischen Problemen zu kämpfen haben, wie etwa die Schweiz und Norwegen. Siebtens, haben die jüngsten Vertiefungen vermehrt zu Formen dif- ferenzierter Integration geführt (vgl. Kap. 3.2). In den 1990er Jahren hat die EU bereits ein sehr hohes Integrationsniveau erreicht. Je weiter der europäische Integrationsprozess in nationales Hoheitsgebiet vordringt, desto sensibler wird die Vertiefungsfrage und desto wahrscheinlicher regt sich in einigen Ländern innenpolitischer Widerstand, während an- dere eine verstärkte Zusammenarbeit anstreben.419 Achtens, können wahrscheinlich einige Beitrittskandidaten in Zukunft mit mehr Flexibilität rechnen. Falls die Neumitglieder, die nicht die vollen Pflichten übernehmen, auch nicht die vollen Rechte bekom- men, könnte eine Erweiterung Mitglieder «zweiter Klasse» zur Folge ha- ben. Dies ist aus politischen Gründen bisher ausgeschlossen worden. Neuntens, entfällt mit einer Flexibilisierung die Notwendigkeit breit angelegter Verhandlungspakete, die für jeden Mitgliedstaat einen An reiz zur Teilnahme bieten. Falls nicht klare Schranken gesetzt wer- den, besteht somit langfristig die Gefahr einer schwer kontrollierbaren Eigendynamik mit potentiell desintegrativer Wirkung, welche zu einer eigentlichen «Flexibilisierungsfalle» führen könnte. Mit anderen Wor - ten, «langfristig wird die Flexibilisierung zur Gefahrenquelle durch Insti tutionenvielfalt, Transparenzverlust und eine daraus folgende Ver - stär kung der Identitätskrise».420Konzessionen an «Vertiefungs muffel» 173 
Optionen der liechtensteinischen Integrationspolitik 419Zudem erhöht sich der Bedarf, die Wähler durch Referenda am Entscheidungs pro - zess zu beteiligen, sei es um der Verfassung zu genügen oder um die politische Legiti - mi tät und Akzeptanz zu erhöhen. 420Giering 1997b, 82.
        

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