Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
33
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000145819/105/
4.2.5 Andorra Andorra (467.8 km2, 65 000 Einwohner) ist erst seit 1993 ein vollständig souveräner Staat, unterhält aber bereits seit 1991 eine Zollunion mit der EU für nichtlandwirtschaftliche Waren. Das zwischen Frankreich und Spa nien gelegene Fürstentum unterhielt zuvor bilaterale Handels - abkommen mit beiden Nachbarstaaten und wurde nie als Teil des EU-Zoll gebiets betrachtet. Aufgrund bilateraler Absprachen konnten andorranische Ursprungswaren zollfrei nach Frankreich ausgeführt und französische Produkte, später auch EU-Produkte, zollfrei nach Andorra importiert werden. Exporte, die für einen anderen EU-Mitgliedstaat be- stimmt waren, wurden nicht in Frankreich in den freien Verkehr entlas- sen, sondern als Drittlandswaren mit Transitdokumenten exportiert. Andorranische Exporte, in die Waren aus Drittstaaten eingeflossen wa- ren, hatten Zölle in Höhe des nicht-andorranischen Anteils zu zahlen. Waren aus Drittstaaten konnten nur mit französischer Erlaubnis nach Andorra gelangen, und Frankreich erteilte wenige solcher Transit ge neh - mi gungen, um den zollfreien Reimport dieser Produkte nach Frankreich zu vermeiden. Da die französische Regierung nicht bereit war, diese Praxis aufzugeben, wurde Andorra im Gegensatz zu Monaco und San Marino nicht als Teil des EU-Zollgebiets betrachtet. Somit gelangten die meisten Produkte aus Drittländern nach Andorra, nachdem sie vorher in Frankreich in den freien Verkehr gebracht worden waren. Problematisch wurde Andorras Lage durch die EU-Beitritts ver - hand lungen Spaniens, mit welchem zollfreie Kontingente für die Ein- und Ausfuhr bestanden. Drei Jahre nach dem Beitritt Spaniens gelang es der andorranischen Regierung, direkte Verhandlungen mit der Gemein - schaft aufzunehmen.256Das 1990 unterzeichnete Handelsab kommen auf der Grundlage von Art. 133 EGV (Handelspolitik) und Art. 93 EGV (Steuer harmonisierung) schuf eine Zollunion für industrielle Produkte mit Sonderregelungen für Agrarprodukte und Steuerfreigrenzen für Touristen.257Dank des Abkommens erhält Andorra die ihm zustehen- den Zolleinnahmen von aus Nicht-EU-Staaten importierten Industrie - pro dukten rückerstattet. Landwirtschaftliche Produkte sind von Ge - 105 
Flexibilität der EU gegenüber Drittstaaten 256Vgl. Stapper 1999, 65–70; Duursma 1996, 359–361. 257Rat der Europäischen Gemeinschaften 1990.
        

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