er doch gegenüber den eigentlichen Bergen des Landes in den 
Augen der Einheimischen nur einen niedrigen Hügelzug. 
Die eigentlichen Berge liegen im Osten des Landes: die Drei- 
Schwestern-Kette, welche das stark besiedelte Rheintal von 
den Hochtälern der liechtensteinischen Alpen trennt, das 
südlich gelegene Quertal des Lawenabaches, in dem sich die 
Felsspitzen bis gegen 3000 m erheben, und die Gebirgsstöcke 
des früher nur im Sommer landwirtschaftlich genutzten 
eigentlichen Alpgebietes. Steg mit seiner uralten Siedlungs- 
form von zwei großen Häuservierecken und vor allem der 
hochgelegene Talkessel von Malbun sind seit dem Bau des 
Tunnels im Jahre 1947 und der Autostraße von Vaduz über 
Triesenberg für den Fremdenverkehr erschlossen. Während 
Steg mit seiner idyllischen Kapelle vom Tagestourismus noch 
weitgehend unberührt ist, hat sich im Malbun viel geändert. 
Wo einst ein bescheidenes kleines Kurhaus seine wenigen 
Sommerfrischler aufnahm und in primitiven Holzhütten die 
Bauern von Triesenberg ihr Alpenheu für den Winter ein- 
brachten, drängen sich sommers die Touristen, und im Win- 
ter finden Skifahrer, vom Anfänger bis zum Könner, die 
ihnen gemäßen Pisten. 
Doch auch hier gibt es das andere Liechtenstein. Etwas Aus- 
dauer im Wandern und gutes Schuhwerk sind nötig, um es 
zu finden. Da die gesamten liechtensteinischen Alpen zum 
Pflanzenschutzgebiet erklärt worden sind, braucht es keinen 
Botaniker, um an der Vielfalt der Blumen Gefallen zu finden, 
und mit etwas Glück ist auch eine Gemse, eine Murmeltierfa- 
milie oder ein hoch kreisender Steinadler zu entdecken. 
Mannigfach ist die Art, die Bergwelt zu erwandern. Da gibt 
es Wege, die ohne Gefahr auch mit Kindern begangen werden 
können; andere verlangen Trittsicherheit und Kondition, und 
wer sich in Kletterpartien üben will, findet ebenfalls lohnende 
Touren, auch wenn keine Erstbesteigungen oder spektakuläre 
Nordwände locken. Ein Bergpfad, der jährlich zahlreiche 
Einheimische und Gäste anzieht, ist der Fürstensteig, ein 
kühn in den Felsen des Drei-Schwestern-Zuges angelegter 
Pfad, der seine Fortsetzung in einem Wanderweg bald dies- 
  
  
S. D. Erbprinz Alois und 1.K.H. Erbprinzessin Sophie mit 
ihren Kindern Joseph Wenzel (geb. 1995), Marie Caroline 
Elizabeth Immaculata (geb. 1996), Georg Antonius 
Constantin Maria (geb. 1999) und Nikolaus Sebastian 
Alexander Maria (geb. 2000). 
S.A. le prince héritier Alois et S.A.R. la princesse héritière 
Sophie avec leurs enfants : Joseph Wenzel (né en 1995), 
Marie Caroline Elizabeth Immaculata (née en 1996), 
Georg Antonius Constantin Maria (né en 1999) et 
Nikolaus Sebastian Alexander Maria (né en 2000). 
H.R.H Prince Alois and H.R.H. Princess Sophie with 
their children Joseph Wenzel (born 1995), Marie Caroline 
Elizabeth Immaculata (born 1996), Georg Antonius 
Constantin Maria (born 1999), and Nikolaus Sebastian 
Alexander Maria (born 2000). 
seits, bald jenseits des Berggrates findet. Hoch über der Tal- 
sohle zieht er sich dahin, und wer nicht schwindelfrei ist, 
dürfte trotz der im Fels angebrachten Sicherungen seine 
Schwierigkeiten haben. Dafür bietet sich an klaren Tagen eine 
weite Sicht in die Schweizer Berge und über den Bodensee 
hinaus in die Hôhenzüge des Allgäus. Aber auch das ganze 
Land Liechtenstein ist von hier aus zu überblicken: der seit 
der Mitte des letzten Jahrhunderts in mächtige Dämme 
gezwängte Rheinstrom und die ihm abgerungene fruchtbare 
Ebene, im Norden gegen Vorarlberg das Unterland mit dem 
schräg im Tal liegenden Eschnerberg, die sich vom Berghang 
weit gegen den Fluß vorstoßenden Ortschaften des Oberlan- 
des bis hin zur Luziensteig im Süden, den von der Burg Gu- 
tenberg bewachten Übergang nach Graubünden. Auf der 
Ostseite des Grates bildet das bewaldete Samintal einen star- 
ken Gegensatz zur fruchtbaren Rheinebene. 
Sicher entbehren alle diese Schönheiten weitgehend des Spek- 
takulären. Kein Matterhorn reckt seinen Schneegipfel zum 
Himmel, kein Rheinfall donnert sprühend in die Tiefe. Was 
Liechtenstein auch hier anders macht, ist die Tatsache, daß 
seine stillen und oft gegensätzlichen Schönheiten auf klein- 
stem Raum liegen; 160 km? umfaßt das Land, und doch 
weist es vom Feuchtgebiet des tiefliegenden Ruggeller Rie- 
des bis zum Hochgebirge der Falknisgruppe alle Zwi- 
schenstufen mit ihren charakteristischen Eigenarten von 
Formationen, Flora und Fauna auf. 
Der Tagestourist sieht dies alles nicht. Er blickt vom Zentrum 
in Vaduz zum Schloß hoch und bedauert vielleicht, daß es als 
Residenz des Landesherrn nicht zu besichtigen ist; es ist mög- 
lich, daß er Zeit für einen Besuch bei den Meisterwerken aus 
den Fürstlichen Sammlungen findet. Er wird zwar mehr an 
schönen Eindrücken mit nach Hause nehmen als der eilige 
Passant, der nach ein paar abgeschickten Ansichtskarten 
Liechtenstein auf seiner Besucherliste abhaken kann, aber 
Liechtenstein wird er trotzdem nicht kennen. Denn Liechten- 
stein ist anders. 
 
        

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