Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
32
Erscheinungsjahr:
2001
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000142764/27/
auf das, was sich in der Verfassung 1921 gegenüber der Konstitutionellen Verfassung 1862 geändert hat und was an Neuem entstanden ist. Von Interesse ist dabei zu wissen, woher die Vorstösse zu Änderungen stam- men und was sie beinhalten und welchen Einfluss sie auf die spätere Ver - fas sungsgebung hatten. In diesem Kontext kann die Verfassungs ge richts - barkeit festere Konturen gewinnen. Es versteht sich, dass man auch darauf angewiesen ist, Vergleiche mit ausländischen Regelungen anzu- stellen, die eine Verfassungsgerichtsbarkeit kennen. Letztlich kann es sich hier aber nur um Erklärungsversuche 
handeln. bb) Verfassungsgerichtsbarkeit in Lehre und Rechtsprechung Geht man vom damaligen Diskussionstand in der Staatsrechtslehre aus, so war der Entscheid für die Verfassungsgerichtsbarkeit in Form der Normenkontrolle nicht selbstverständlich. Es ist dem Einfluss von Josef Peer und der Zustimmung von Wilhelm Beck und seiner christlich- so zialen Volkspartei zu verdanken, dass das österreichische Modell kopiert worden ist. Es passte zum Rechtsschutzkonzept der Reform - kräfte, bedeutete doch die Normenkontrolle eine Verstärkung des Rechts staats ge dankens, wie sie ihn die christlich-soziale Volkspartei auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Es gilt zu bedenken, dass es zur Zeit der Verfas sungs ge bung zwei Auffassungen über die Methode gab, Strei tig - keiten zu entscheiden, die bei der Auslegung und Anwendung der Ver - fas sung entstehen. Nach einer damals weit verbreiteten Ansicht ist eine solche Ent - schei dung rein politisch und daher Sache eines politischen Organs und nicht eines Gerichts wie des Staatsgerichtshofes. Auf diese Seite hätten sich die konservativen Kräfte und vor allem das Fürstenhaus schlagen können, hätten sie am monarchischen Staatsverständnis festhalten wol- len. Für Carl Schmitt überschreitet die Verfassungsgerichtsbarkeit mit der Normenkontrolle die Grenze der Rechtsprechung. Verfassungs ge - richts barkeit laufe auf eine verdeckte Zuweisung politischer Entschei - dun gen an den Richter, auf eine Politisierung der Justiz hinaus; politische Streitfragen würden ehrlicher von politischen Instanzen entschieden.85 28Herbert 
Wille 85Vgl. Simon, S. 1258.
        

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