ELENA SPRENGER, HAUSFRAU 
nicht. Am Mittag koche ich und gehe nachher mit Anna einen Spaziergang ma- 
chen. Wir erzählen von früher, vom Krieg, aber auch davon, dass wir es trotz Hun- 
gers schön hatten. Ich möchte nicht mit der heutigen Jugend tauschen, sie haben 
alles, sind aber trotzdem nicht zufrieden. Die Welt ist anders geworden, die Jun- 
gen nehmen es locker, manchmal zu locker. Wir hatten ja auch Schätze, aber wir 
haben studiert, sind nicht gleich ins Bett gesprungen. Heute muss immer alles 
gleich und sofort sein. 
Seit 1976 führt unsere Familie die Gafadurahütte. Zuerst haben der Albert 
und ich die Hütte geführt, dann der Silvio und die Carmen und darauf die Mirella. 
Am Montag und am Dienstag mache ich heute noch die Hütte. Am Abend kommt 
dann der Mann von Mirella, Euplio, und hilft. Heute ist es schwer mit der Hütte. Es 
rentiert nicht mehr so, wie früher. Die Übernachtungen sind stark zurückgegan- 
gen. Und der Zins ist auch nicht klein. Da muss man sich schon überlegen, wie es 
weitergehen soll. Wenn ich nicht auf der Gafadura bin, dann esse ich so um sechs 
Znacht, alleine, da habe ich keine Schwierigkeiten. Nach dem Znacht schaue ich 
dann noch ein wenig Fernseh oder gehe nach draussen. Um zehn, halb elf gehe 
ich dann ins Bett. Heute bin ich fünffache Nana und dreifache Urnana. Ich bin ein 
Familienmensch. Die Familie ist alles und dafür tue ich auch alles. Wenn die Fami- 
lie zufrieden ist, dann bin ich glücklich. Mein Charakter sagt mir, dass man die 
Familie nicht verlassen darf, was auch kommt. Einen grossen Wunsch habe ich 
noch. Ich will gesund bleiben, ich will meine Kinder nicht belasten, ich will nie- 
manden belasten im Alter. Ich will gesund bleiben. Sterben ist mir gleich, ob alt 
oder jung. Ich werde gut sterben, weil ich schon genug habe ertragen müssen, 
werde ich gut sterben. Ich denke immer, alle Sorgen, alles Schlechte kann nicht ich 
haben. IM 
  
  
  
 
        

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