Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000134991/289/
Persönlichkeitswahl unterlag 1970 dem VU-Regierungschef-Kandidaten Alfred Hilbe. Das Pendel schlug aber vier Jahre später mit dem Sieg des FBP-Kandidaten Walter Kieber wieder zurück. Doch auch Kieber könnte mangelnde Po­ pularität zum Verhängnis geworden sein, sodass 1978 Hans Brunhart seine 15jährige Regierungszeit antrat. 1993 wurde die Regierungsmehr­ heit der VU vorübergehend beendet, wobei kaum die Persönlichkeit des FBP-Kandidaten den Ausschlag gegeben haben dürfte, sondern eher Verschleisserscheinungen der VU-Regierung. Nach der kurzen Zeit der FBP-Regierungsmehrheit unter Markus Büchel trat Josef Biedermann (FBP) gegen Mario Frick (VU) an. Doch die Popularität und das Charis­ ma Biedermanns, nachgewiesen durch seine äusserst erfolgreiche, lang­ jährige Landtagskarriere, genügte nicht, um einen Wahlsieg für die FBP zu erringen. Dies könnte als Abschwächung des Persönlichkeitsmotivs gedeutet werden. Wie wir sehen, gibt es für beide Meinungen Argumente, wobei jedoch die Zunahme der Persönlichkeitsmotive insgesamt plausibler erscheint. Es ist auch denkbar, dass die Persönlichkeiten nach aussen sichtbar heute eine grössere Rolle im Wahlkampf spielen als früher, dass aber je nach Wahlgang und aktueller politischer Kontroverse die Persönlichkeiten den Wahlentscheid der Wählerinnen einmal mehr, einmal weniger stark beeinflusst. Bemerkenswert ist auf jeden Fall auch die Tatsache, dass es in der liechtensteinischen Regierungsgeschichte immer wieder sehr jun­ gen und weitgehend unbekannten Männern gelungen ist, einen Wahler­ folg gegen bereits etablierte und amtierende Regierungschefs zu erzielen. Es scheint so, dass ein gutes Profil gut ist, aber kein Profil immer noch besser ist als ein lädiertes. Man muss bei all diesen Überlegungen auch berücksichtigen, dass die Wählerinnen allfällige Enttäuschungen mit der Politik einer Partei mass­ geblich an der Person des Regierungschefs festmachen. Denn der Regie­ rungschef wird für die Verwaltungstätigkeit, für Personalentscheide, Auftragsvergaben, in den meisten Fällen auch für (unbeliebte) politische Initiativen verantwortlich gemacht. 
x 5.8.3 Multivariate Datenanalyse Um eine Einschätzung zu bekommen, wie gross der Einfluss der Regie­ rungschef-Kandidaten auf den Wahlentscheid ist, müssen wir eine Ver- 289
        

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