Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000134991/265/
Issueorientiertes Wahlverhalten 5.6.3 Internationaler Vergleich Mit der Bedeutungsschwäche der Sachfragen für den Wahlentscheid nimmt Liechtenstein in jeder Hinsicht eine Sonderstellung ein. Ein Vergleich mit der Schweiz zeigt, dass die Assoziationswerte in Liechtenstein bedeutend tiefer liegen.484 Bei ähnlichen Issue-Fragen, die auf aktuelle politische Fragen in der Schweiz ausgerichtet waren, lagen alle Assoziationswerte (Gamma) bei mindestens 0.34, wobei sechs Parteien berücksichtigt wurden. Bei einer Dichotomisierung der Parteivariablen - linkes und rechtes Lager- ergaben sich sogar Assoziationswerte zwischen 0.39 und 0.69.485 In der Schweiz zeigen sich vergleichsweise stärkere Gegensätze zwi­ schen den Parteien. Liechtenstein weist somit eine weit homogenere politische Landschaft auf als die Schweiz. Hinzu kommt, dass sich die divergierenden politischen Meinungen in der Schweiz auf ähnlich starke politische Lager verteilen, während sich in Liechtenstein in der-Regel David und Goliath in Form der FL vs. die beiden Volksparteien VU und FBPL gegenüberstehen. Dies kommt einer weiteren faktischen Reduk­ tion der politischen Vielfalt gleich. Auffallend ist auch, dass die ökonomischen Issues in Liechtenstein keine Bedeutung haben, und zwar weder im Verhältnis aller Parteien noch zwischen den Lagern. 
Schloeth stellt fest, dass auch in der Schweiz im Gegensatz zu mehreren europäischen Staaten die ökonomischen Issues einen geringeren Einfluss auf den Wahlentscheid haben als die nicht-ökonomischen Issues. Es muss aber erwähnt werden, dass in der Schweiz die ökonomischen Issues (Einstellung zu den Sozialausaben und Besteuerung hoher Einkommen) noch Assoziationswerte (Gamma) von 0.45 bzw. 0.35 annehmen, während sich in Liechtenstein nicht einmal signifikante Differenzen zeigen, weder unter Einbezug aller Par­ teien, noch in einer Gegenüberstellung von FL und VU/FBPL.486 484 Vgl. Schloeth 1998: 188. 485 In Liechtenstein wird das Maximum in der Bischofsfrage (FL vs. Volksparteien) mit Gamma = 0,52 erreicht. Drei von sieben Variablen zeigen Werte < 0.25 und sind nicht signifikant. 486 Dies deckt sich mit der Feststellung, dass sich die gesellschaftlichen Konfliktlinien in der Schweiz verschoben haben. Eine detailliertere Analyse der Konfliktlinien in ver­ schiedenen Kantonen der Schweiz findet sich bei Klöti 1998. Der Gegensatz zwischen «libertären» und «autoritären» Perspektiven scheint dabei die Auseinandersetzung zwi­ schen links und rechts stärker zu prägen als die klassische soziale Frage nach Verteilung und Umverteilung der Einkommen und Vermögen. 265
        

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