Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000134991/21/
Fragestellungen die jahrzehntelang praktisch eine Monopolstellung innehatten: die Vaterländische Union (VU; die «Roten») und die Fortschrittliche Bür­ gerpartei in Liechtenstein (FBPL; die «Schwarzen»).23 Wenn wir also auch davon ausgehen können, dass das traditionelle, verwandtschaftlich geprägte Wahlverhalten immer eine grosse Rolle gespielt hat, bleibt doch noch die Aufgabe, die quantitative und qualitative Dimension dieses Wahlverhaltens näher zu bestimmen. Es fragt sich nicht nur, wie gross der Anteil im Elektorat ist, der feste Parteibindungen aufweist, es stellt sich auch die Frage nach den Ursachen dieser Parteibindungen und den Veränderungen im zeitlichen Verlauf. Sicher ist auf jeden Fall, dass es immer ein Potential an volatilen Wählern gegeben hat, da neu aufkom­ mende Parteien jeweils ansehnliche Ergebnisse erzielen konnten, auch wenn sie in der Regel an den hohen Sperrklauseln gescheitert sind. Die politischen Beobachter in Liechtenstein gehen übereinstimmend davon aus, dass sich die Parteibindungen im Verlaufe der Jahrzehnte gelockert haben. Das «traditionelle» Wahlverhalten, das eine stark fami- liale oder verwandtschaftliche Komponente aufweist, kommt allmählich ins Wanken und wird von einem «modernen» Wahlverhalten abgelöst. Es gibt mehrere Entwicklungen, die das traditionelle Wahlverhalten möglicherweise untergraben: sozialer Wandel und individuelle gesell­ schaftliche Mobilität, Verlust von Autorität und Herausbildung einer neuen Werteordnung, steigendes Bildungsniveau, die Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen im Jahr 1984, zunehmender Wohl­ stand und materielle Unabhängigkeit. 1.2.2 Institutionelle Faktoren Das Wahlverhalten der Individuen bezieht sich in einem politischen System auf ein bestimmtes Angebot an Alternativen (Parteien und Kandidaten bzw. Kandidatinnen) und es wird nach einem bestimmten Wahlverfahren gewählt. Die Beschreibung des institutionellen und par- teienmässigen Umfeldes ist daher ein wichtiges Glied zur Erklärung des 23 Künftig werden jeweils die Kürzel VU, FBPL und FL (Freie Liste) verwendet. Der Name der FBPL wurde erst im Dezember 1995 geändert. Er lautete vorher Fortschritt­ liche Bürgerpartei (FBP). 21
        

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