Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000134991/16/
Einleitung Zu den Wahlmotiven äussert sich 
Michalsky nur an einer Stelle expli­ zit. Sie stellt fest, dass das Erstellen von Wahlprogrammen die Arbeit einiger weniger sei. Dazu meint sie, dass dies einerseits einem tradierten Muster entspricht, dass es aber auch offensichtlich schwer sei, diese Arbeit auf eine breitere Basis zu stellen. Als Wahlmotiv eignen sich ihrer Meinung nach die Programme nicht, denn «die meisten haben eher ein partikulares Interesse an Politik und wollen vor allem, dass ihre Partei die Mehrheit behält oder erringt. Dass dafür Programme entscheidend seien, wird eher bezweifelt. Das hat sicher auch etwas mit den geringen programmatischen Unterschieden zu tun.»11 Wenn aber 
Michalsky an dieser Stelle von «ihrer Partei» spricht und insofern die Parteibindungen andeutet, sollte erklärt werden können, wie sich diese Bindungen auf­ bauen und langfristig erhalten. Es ist durchaus denkbar, dass Programme dabei keine entscheidende Rolle spielen. Es ist aber auch denkbar, dass an die Programme spezifische Anforderungen gestellt werden, die von den beiden etablierten Parteien weitgehend erfüllt werden, sodass die Funktion der Programme nicht mehr stark ins Auge springt. Programme sollten als notwendige Bestätigungsrituale nicht unterschätzt werden. Es ist nicht anzunehmen, dass Loyalität zu einer Partei lange andauert, wenn die Partei eine Politik verfolgt, die den Interessen der Wählerbasis widerspricht. Wenn die Wahlmotive und das Wahlverhalten untersucht werden, ist auch nach dem Stellenwert von Wahlen im politischen System und Ent- scheidungsprozess zu fragen. Insbesondere drängt sich die Frage auf, ob in einem konkordanzdemokratischen System, wie es in Liechtenstein stark ausgeprägt ist, der Urnengang für Landtagswahlen eine entschei­ dende Bedeutung hat. 
Waschkuhn nimmt hierzu eine kritische Haltung ein: «Durch den vorparlamentarischen Interessenausgleich, die mögliche Paralysierung aufgrund divergenter oder zu eng verfilzter Interessen, die Festlegung von Themenstrukturen in der Politikformulierung und den kleinstaatlichen Konformitätsdruck wird einerseits die Handlungskapa­ zität des politischen Systems eingeschränkt, andererseits befördern die Konkordanzelemente und weiteren Konfliktregelungsformen faktisch die Tendenz zur Entpolitisierung in den breiten Bevölkerungsschichten (als Nicht-Eliten) und verringern somit das gesamtgesellschaftliche " Michalsky 1990b: 273. 16
        

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