Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000134991/149/
Bestehende Wahltheorien ist es insbesondere notwendig, klare Abgrenzungen zur soziostrukturel- len und sozialpsychologischen Theorierichtung vorzunehmen bzw. In­ dikatoren dieser Ansätze unter dem Nützlichkeitsaspekt theoretisch neu zu modellieren und mit geeigneten Öperationalisierungen empirisch zu testen. So könnte die Parteiidentifikation - im Gegensatz zur sozialpsy­ chologischen Richtung - als Instrument rationeller Entscheidungsfin­ dung und Mittel der Komplexitätsreduktion interpretiert werden. Parteiidentifikation wäre unter diesem Gesichtspunkt ein politischer Orientierungspunkt, der dem Individuum die Auseinandersetzung mit komplexen politischen Sachverhalten weitgehend erspart, da man den Empfehlungen der nahestehenden Partei folgen kann. Erst wenn gravie­ rende oder wiederholte Differenzen zwischen der eigenen Haltung und der Haltung der entsprechenden Partei auftreten, würde ein Parteiwech­ sel ins Auge gefasst oder vollzogen. Auch die Kandidaten- und Issue- orientierung des sozialpsychologischen Ansatzes könnten auf diese Weise neu interpretiert werden. Die im soziostrukturellen Ansatz dominierenden Variablen, die den Index der politischen Prädisposition bilden, oder die im Cleavage- Konzept relevanten soziodemografischen Variablen könnten in ähn­ licher Weise aus ihrem soziologischen Kontext herausgelöst und in einen individuellen Wahrnehmungszusammenhang gestellt werden. Konzep­ tionell wäre durch die Zwischenschaltung des Individuums der Determi­ nismus von soziostrukturellem Hintergrund auf das politische Verhalten gebrochen. Dadurch, dass das individuelle politische Verhalten aber durch eine Vielzahl von Einflussfaktoren, Haltungen, Erfahrungen usw. überdeterminiert erscheint, wird ein sauberer methodischer Nachweis erschwert. In dieser Hinsicht steht die ökonomische Wahltheorie immer noch vor einer grossen Aufgabe. 3.1.4 Schematische Synthese der Wahltheorien In Anlehnung an das Makro-Mikro-Modell, das 
Dalton zur Analyse der Strukturen des Parteienwettbewerbs entwickelt hat, können wir ein Schema zum Wahlverhalten skizzieren, das die relevanten wahlentschei­ denden Variablen enthält (Abb. 8).351 Stark vereinfachend kann man das 351 Vgl. Gabriel 1997:251. 149
        

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