Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000134991/146/
Wahltheorien und Hypothesen schiedenen Variablen auszugehen. Die Kandidatinnenwahrnehmung kann die Parteiidentifikation beeinflussen und umgekehrt. Ebenso ver­ hält es sich mit politischen Streitfragen.344 
Gabriel wirft noch weitere methodische Fragen auf, insbesondere die Ubertragbarkeit auf europäi­ sche Verhältnisse. Er verweist dabei insbesondere auf die ausgeprägte Kandidatenorientierung in den Vereinigten Staaten und die eher domi­ nierende Parteienorientierung in Deutschland.345 3.1.3 Rational Choice-Ansatz Die dritte bedeutende Theorie des Wahlverhaltens stammt aus der öko­ nomischen Forschungsrichtung. Vater der Theorie des ökonomischen Wählens ist 
Anthony Downs, der 1957 mit seinem Werk «An Economic Theory of Democracy» eine neue Sichtweise des Wahlverhaltens und anderer Aspekte der Demokratie begründet hat.346 Kernpunkt des öko­ nomischen Ansatzes ist die Interpretation des Handelns von Akteurin­ nen als Versuch der Nutzenmaximierung. Im Kontext mit dem Wahlver­ halten bedeutet dies, dass die Wählerinnen einen Wahlentscheid treffen, der ihnen ihrer Meinung nach den grössten Vorteil - oder die wenigsten Nachteile - bringt. Der Wahlentscheid gilt somit als rational begründet, weshalb der ökonomische Ansatz auch als Rational-Choice-Ansatz bezeichnet wird.347 In dieser Theorie steht somit das Individuum im Mit­ telpunkt der Betrachtung, wobei dem Individuum ein rationales und eigennütziges Verhalten unterstellt wird. Eine empirische Uberprüfung des Kerns des ökonomischen Ansatzes in der Wahlforschung erfolgt, indem nach der Ubereinstimmung zwi­ schen den Wählerinnen und den von ihnen gewählten Parteien in politi- 344 Dieses Modell der wechselseitigen Beeinflussung wurde von Campbell ursprünglich vertreten, dann aber zugunsten der stärkeren Betonung der langfristig wirksamen Parteiidentifikation aufgegeben. Es fragt sich generell, ob Campell damit nicht die kau­ sale Ordnung verlassen und ein rein chronologisch argumentierendes Modell formu­ liert hat. 345 Gabriel 1997: 242 f. 346 Downs 1957. Fuchs u.a. erwähnen mit Verweis auf Lehner (1981), dass die Grundzüge für eine ökonomische Theorie der Demokratie bereits bei Joseph Schumpeter (1942), räumliche Modelle des Wahlverhaltens bei Harald Hotelling (1929) entwickelt wurden (Fuchs u.a. 1994: 305 Fussnote 1). 347 Neben den Begriffen des ökonomischen und des rationalen Wählens tauchen noch wei­ tere Begriffe in der Literatur auf. Vgl. Schloeth 1998: 76. 146
        

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