Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000134991/143/
Bestehende Wahltheorien Ausnahmesituationen wie Kriegen, Revolutionen, Systemunterbrüchen oder anderen Einschnitten in die politische Entwicklung eines Landes bzw. in die individuellen Lebensverhältnisse. Trotz zahlloser empiri­ scher Studien konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden, worauf die Unterschiede in der Parteiidentifikation beruhen. Es ist zwar nach­ gewiesen, dass die Parteiidentifikation mit dem Alter zunimmt, umstrit­ ten ist aber, ob es generationen- oder kohortenbedingte Schwankungen in der Stärke der Parteiidentifikation gibt.337 Neben der Parteiidentifikation als langfristigem Faktor wird der Kandidatenorientierung und der Issueorientierung (Themenorientie­ rung) als kurzfristigen Faktoren eine herausragende Rolle in der Wahl­ entscheidung attestiert. 
Campbell kreierte dazu das Bild eines Kausali­ tätstrichters, in welchem sich der Entscheid der Wählerinnen auf den Wahltag hin verdichtet und herausbildet.338 Die sozialstrukturellen Determinanten werden dagegen als den sozialpsychologischen Erklä­ rungsvariablen vorgelagert betrachtet (Abb. 7). Im Kontext der Analyse der liechtensteinischen Landtagswahlen ist zusätzlich der wissenschaftliche Nachweis von Bedeutung, dass kleinere Parteien beim Aufbau stabiler Parteibindungen grössere Schwierigkeiten haben als grössere Parteien. Dies könnte im Fall der FL zutreffen, wobei zusätzlich die Tatsache zu berücksichtigen ist, dass es sich bei der FL um eine relativ junge Partei handelt. 
Duverger war der erste, der die Schwie­ rigkeit kleiner Parteien beim Aufbau stabiler Parteibindungen themati­ siert hat.339 Er verfolgte dabei die Hypothese, dass die Wählerinnen und Wähler die Stimme für eine kleine Partei als verlorene Stimme betrach- 337 Nach Converse (1969) wird Parteibindung in Abhängigkeit von der Dauer der Erfah­ rung mit freien Wahlen hergestellt. Darin eingeschlossen ist die eigene Erfahrung wie auch die Erfahrung der Elterngeneration und ist insofern kohortenabhängig. Die Stärke der Identifikation mit einer bestimmten Partei ergibt sich aus der wiederholten Wahl­ zustimmung und bekommt durch die Kenntnis des Wahlverhaltens der Eltern einen zusätzlichen «parental push». In dieser Sicht bekommen sowohl die Stabilität demo­ kratischer Verhältnisse wie auch die Stabilität in der Parteienlandschaft eine ausschlag­ gebende Bedeutung für den Aufbau stabiler Parteibindungen. Während sich die alters­ bedingte Verstärkung der Parteiidentifikation (in den USA) mehrfach bestätigte, muss jedoch ein Generationen- oder Kohorteneffekt angezweifelt werden (vgl. Abramson 1983: 130). Auch Gehring (1994) konnte für die Bundesrepublik Deutschland mit Aus­ nahme eines starken Periodeneffektes 1972 keine durchgängigen Alters- oder Kohor­ teneffekte feststellen. 338 Im Original als «funnel of causality» bezeichnet. Campbell u.a. 1960: 24 ff. 339 Duverger 1954. 143
        

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