Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000134991/136/
Politisches System Liechtensteins gang zu den parteifremden Organen ist unter Einschränkungen möglich, birgt jedoch die Gefahr, dass das Layout und eventuelle ablehnende oder polemische Kommentare dem politischen Gegner überlassen werden müssen. Andererseits bringt es die Kleinheit mit sich, dass die Distanz zu den Politikerinnen nicht so gross ist und die Wahrscheinlichkeit einer per­ sönlichen Begegnung - sei dies zufällig, sei dies bei einer bestimmten Veranstaltung - eher gross ist. Der persönliche Kontakt der Politiker­ innen zu ihrer Wählerschaft und zur Öffentlichkeit ist daher immer noch ein wichtiges Marketinginstrument, weshalb es zum Pflichtpensum der Politikerinnen gehört, sich bei wichtigen Veranstaltungen zu zeigen.323 Trotzdem ist auch in Liechtenstein der Trend zur medialen Vermitt­ lung der Politik im Gange, wie er auch andernorts festgestellt wird.324 Die direkte Ansprache der Wählerinnen durch die Parteien oder deren lokale Funktionäre auf der Ebene der Ortsgruppen ist rückläufig. In der Nachwahlbefragung nach den Landtagswahlen 1997 wurde die Frage gestellt, ob eine persönliche Kontaktaufnahme durch Parteienvertreter­ innen stattgefunden haben. Nur 37,8 Prozent der Antwortenden bejah­ ten dies. 62,2 Prozent hatten vor den Wahlen keinen persönlichen Kon­ takt zu Parteienvertreterinnen. Die Richtung der Kontakte bestätigt auch die in der Kommunika­ tionswissenschaft festgestellte Tendenz zur Bildung von homogenen Gruppen. Uber 80 Prozent derjenigen, die vor den Wahlen mit einer be­ stimmten Partei in Kontakt waren, wählten auch diese Partei. Der Schluss, dass die persönliche politische Uberzeugungsarbeit bei den kontaktierten Personen Erfolg hatte, ist wohl verkehrt. Richtig ist eher, 323 Dies kann leicht mit einem Blick in die Montagszeitungen überprüft werden. Nicht sel­ ten sind bedeutende Politikerinnen an einem Wochenende gleich an mehreren Veranstaltungen gewesen, und sei es nur so lange, bis der bestellte Zeitungsfotograf eine Aufnahme gemacht hat. Der Oppositionsentscheid der FBPL hat in dieser Hinsicht für die VU zu einer Entlastung geführt. In der Koalitionszeit war es vielfach üblich (oder parteipolitisch notwendig), dass Regierungsvertreter beider Parteien an einer Veranstal­ tung Präsenz zeigten. Das ist heute nicht mehr notwendig. Auf der anderen Seite darf auch einmal eine Veranstaltung ausgelassen werden, ohne dass befürchtet werden muss, dass ein Regierungsmitglied der FBPL dorthin geht. Die Präsenz ist also vermutlich insgesamt eher rückläufig, obwohl diese Frage genau zu überprüfen wäre. 324 Vgl. etwa die Feststellung bei Pfetscb (1994: 234), dass die direkte Ansprache der Wäh­ lerinnen durch die Parteien in den letzten Jahren zugunsten der indirekten Ansprache durch die Medien immer mehr zurückgegangen ist. 136
        

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