Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000134991/132/
Politisches System Liechtensteins Medien würden nicht nur über alle Parteien berichten, sondern durch den journalistischen Trend zu Negativmeldungen möglicherweise die kleineren Oppositionsparteien begünstigen. Ihnen würde sich die Gelegenheit bieten, durch medienwirksame Inszenierung auf Missstände hinzuweisen.314 Diese Möglichkeit entfällt indes für die kleinen Parteien in Liechtenstein weitgehend, auch wenn die restriktive Haltung der bei­ den Landeszeitungen in den letzten Jahren merklich nachgelassen hat. In der Regel sind aber die Regierungsparteien im Vorteil, selbst wenn die Medien unabhängig sind. Ihre Medienpräsenz ist unvergleichlich höher als diejenige der Oppositionsparteien. Sie profitieren von einem strukturellen Nachrichtenbonus.315 Allerdings können in Wahlkampf­ zeiten auch andere Gesetze herrschen. Bei den österreichischen Natio­ nalratswahlen von 1994 wurde der Nachrichtenbonus der Regierungs­ parteien «durch die verstärkte Personalisierung wie die Dramatisierung des politischen Wettbewerbs durch die Serie direkter Kandidatenkon­ frontationen im Fernsehen unverkennbar eingeschränkt. Nutzniesser der aussergewöhnlichen Personalisierung des Wahlkampfgeschehens waren diesmal weniger die Regierungs-, sondern die Oppositionspar­ teien. Sie profitierten eindeutig von der Konzentration der öffentlichen Aufmerksamkeit auf wenige Spitzenakteure», sodass in der Schlussphase «de facto eine symbolische Machtbalance zwischen Regierungs- und Oppositionsvertretern» herrschte.316 Wenn sich die Tendenzen der vergangenen Jahre fortsetzen, kann man die Prognose wagen, dass sich die Chancen der Politikvermittlung der verschiedenen Parteien in Liechtenstein künftig etwas annähern. Dies dürfte vor allem dann eintreten, wenn sich die Politikvermittlung weiter auf die elektronischen Medien verschiebt, welche eine grössere Unabhän­ gigkeit von den beiden etablierten Parteien aufweisen und welche allen Parteien einen mehr oder weniger gleichberechtigten Zugang verschaffen. Bei den Landtagswahlen 1997 lag aber das Schwergewicht nach wie vor in der Politikvermittlung durch klassische Werbung und Selbstdar- 314 Medienkonferenzen, Sitzblockaden, Demonstrationen usw. 315 Plasser u.a. 1995a: 231; vgl. Knoche u.a. 1990; Sarcinelli 1992: 43 ff. Dies zeigte sich bsp. ganz deutlich nach den Bundestagswahlen 1998 in Deutschland. Nach dem Regierungs­ wechsel stehen die Vertreter der Sozialdemokraten und der Grünen im Zentrum der Berichterstattung aus der Hauptstadt, während die Christdemokraten und die Libera­ len einen Grossteil ihrer Medienpräsenz eingebüsst haben. 316 Plasser u.a. 1995a: 231. 132
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.