Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000134991/127/
Medien und Wahlbeeinflussung der Medien von der Politik,302 eine fast vollständige Kontrolle der Me­ dienarbeit durch die Parteien und eine personelle Verfilzung zwischen Parteien und Medien. Da sich das Medienspektrum in Liechtenstein bis vor wenigen Jahren auf die beiden Parteizeitungen Liechtensteiner Vaterland und Liechtensteiner Volksblatt beschränkt hatte, muss von einem gravierenden Defizit im Medienbereich gesprochen werden. Die­ ses Defizit wirkte sich umso stärker aus, als die beiden entsprechenden Parteien gemeinsam bis 1997 in einer Regierungskoalition sassen und somit die Medien nicht weit entfernt von Verlautbarungsorganen der Regierung und der Parteien waren. Sie wirkten insofern zu wenig kor­ rektiv auf das politische Geschehen ein. 
Lehmann geht sogar so weit, dass er die Regierung in Liechtenstein als uneingeschränkte Meinungs- führerin betrachtet.303 Aber selbst wenn die Regierungskoalition als Ko-Oppositionssystem betrachtet wird, in welchem sich die beiden Regierungsparteien gegen­ seitig kontrolliert haben, oder wenn nun auf die Oppositionstätigkeit der FBPL seit den Wahlen von 1997 hingewiesen werden kann, sind wei­ terhin Defizite im Medienbereich festzustellen. Es bleibt nämlich die Tatsache bestehen, dass die beiden Tageszeitung im Dienste der beiden etablierten Volksparteien stehen. Von einer Unabhängigkeit der Medien kann insofern nicht gesprochen werden. Ferner weisen die beiden Volks­ parteien in ihrer ideologischen Ausrichtung monopolistische Züge auf, was eine zusätzliche Verengung nach sich zieht. Zu Recht hat der Maulwurf seinerzeit darauf hingewiesen, dass es Tabuthemen gibt, die in den Medien nicht aufgegriffen werden, und dabei insbesondere die Rolle der Kirche, des Treuhandwesens und der Monarchie ins Feld geführt. 
Czerwick hat darauf hingewiesen, dass streitwürdige, aber nicht öffentlich diskutierte Themen eine wichtige Facette der politischen Streitkultur eines Landes darstellen.304 Zur Erklä­ rung dieses Phänomens werden medientheoretische Ansätze (Selektions­ 302 Die Tageszeitungen werden durch staatliche Inserate stark gestützt. Im Medienförde­ rungsgesetz (LGB1. 2000 Nr. 14) sind ausserdem Förderungsbeiträge von mindestens 1 Million Franken jährlich vorgesehen. 303 «Here, the government is an unrestricted opinion leader.» Lehmann 1996: 45. 304 Czerwick 1990. Die Definitionsschwierigkeiten löst Czerwick wie folgt: Eine Nicht- Thematisierung liegt vor, «wenn Themen nicht oder nur am Rand in der Berichterstat­ tung der Medien erwähnt werden, wenn sie weder in den Parlamenten, Regierungen und Parteien erörtert werden und wenn sie nicht von Interessenverbänden oder von 127
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.