Untersuchung und Weiterentwicklung der einzelnen Elemente Die genauere Betrachtung der Folgerungen, die sich aus einer Ver­ neinung der gestellten Frage ergeben, lassen das Pendel meines Erachtens eindeutig zugunsten einer allgemeinen Geltung der Verfassungsnorm, mithin zugunsten einer Geltung auch im Bereiche innerhalb eines Spruchkörpers ausschlagen. Die gegenteilige Ansicht zu vertreten hiesse etwa, die Bestimmung der Zuständigkeit des jeweiligen Stellvertreters in concreto dürfte imWege eines Ermessensentscheides des Vorsitzenden beziehungsweise Präsidenten erfolgen. Art. 33 Abs. 1 LV bezweckt aber gerade, Manipulationsgefahren vom Eingang des Falles über den gesam­ ten Entscheidvorgang bis hin zu dem Entscheidergebnis so gut wie nur möglich zu bannen. Es kann kein stichhaltiges Argument dafür vorge­ bracht werden, warum gerade bei der Verteilung von richterlichen Funk­ tionen bestimmte Hintertürchen für sachwidrige Einflussnahmen geöff­ net bleiben sollten, warum gerade der in Frage stehende Bereich von dem Geltungsbereich des Art. 33 Abs. 1 LV ausgenommen sein sollte: «Wir mögen vielleicht so weitgehende rechtsstaatliche Anforderun­ gen als überspitzt betrachten. Andererseits scheint bei uns der Gedanke noch wenig lebendig und des Bedenkens doch wert zu sein, dass das Legalitätsprinzip im Gebiet der Gerichtsorganisation und Justizverwaltung vom Grundrecht des verfassungsmässigen Richters her einen ganz spezifischen Gehalt bekommt, an den der Gesetzgeber und die Organe der Justizverwaltung gebunden sind.»142 Indem der Zuständigkeitsbegriff auf den gesamten innergerichtlichen Bereich - unabhängig von der Qualifikation als Organisationsakt - aus­ geweitet wird, werden Möglichkeiten des Manipulierens von irgendwel­ cher Seite von vornherein ausgeschlossen143 oder wenigstens auf ein Minimum reduziert. Darüber hinaus kommt die Erweiterung des Gel­ tungsbereichs des Art. 33 Abs. 1 LV auf den Bereich innerhalb eines gerichtlichen Spruchkörpers nicht zuletzt auch der richterlichen Unabhängigkeit zugute. 142 Müller, Garantie 254. Vgl. 
Kissel 144. Zu weiteren Argumenten s. oben unter II. Sinn und Zweck. 143 Müller, Garantie 253 f.; 
Müller, Grundrechte 309 f. Vgl. 
Kölz 2 RZ 1 ff., insbes. 4 RZ 7; BVerfGE 18 349 und BVerfGE 17 299. 95
        

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