Vorrangprinzip Wenn diesen Auffassungen des Staatsgerichtshofes tatsächlich recht zu geben wäre, müsste man sich fragen, welchen Sinn eine Verfassungsbe­ stimmung wie Art. 1 Abs. 2 LV noch hätte, wenn im Wege eines Staats­ vertrages ausländische Gerichte an Stelle von inländischen fungieren dürften. In den erwähnten Normen liegt meines Erachtens klar eine Verlet­ zung des Vorrangprinzips des Art. 33 Abs. 1 LV. Richtigerweise hätten in sämtlichen Fällen zunächst die 
Landesbthördcn für zuständig erklärt werden müssen. Eine Lösung der Frage nach der Betrauung ausländi­ scher Gerichte mit Gerichtsfunktionen hätte damals meines Erachtens im Wege einer Revision der eingangs zitierten Verfassungsbestimmun­ gen oder darin gesucht werden müssen, dass die schweizerischen Behör­ den (nach den liechtensteinischen Behörden) im Sinne eines erweiterten Rechtsschutzes als zusätzlich fungierende Instanzen bezeichnet hätten werden müssen. Aus denselben Gründen Verstössen auch alle weiteren Zuständig­ keitsvorschriften, die ausländische Gerichte an Stelle von inländischen vorsehen, gegen Art. 33 Abs. 1 LV. Zu nennen sind hier etwa Zuständig­ keitsvorschriften im Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer,292 beispielsweise Art. 20 Abs. 3, oder Art. 55 MWStG,293 die beide die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das schweizerische Bundesgericht vorsehen.294 292 LGB1. 1990 Nr. 8. 293 Gesetz vom 24. November 1994 über die Mehrwertsteuer, LGB1. 1994 84. 294 Anhaltspunkte für eine systematische Untersuchung diesbezüglich verfassungswid­ riger Vorschriften bei: 
Seiler 101 ff. und 107 ff.; 
Batliner, Beziehungen 26 ff.; 
Gyger 48 ff.; 
Niedermann 87 ff. und 170 ff.; ferner in der Systematischen Sammlung der liechtensteinischen Rechtsvorschriften (LR) unter 170.55. Zur Problematik der mit der Schweiz abgeschlossenen Verträge und der Kundmachung übernommener schweizerischer Bundesgesetze s. vglw. StGH 1947, Entscheidung vom 30. Januar 1947 (ELG 1947-1954 191 f.); StGH 1977/10, Entscheidung vom 19. Dezember 1977 (LES 1981 56 ff., Strassenverkehrsgesetz); StGH 1980/10, Entscheidung vom 10. Dezember 1980 (LES 1982 10 ff.: Strassenverkehrsgesetz); StGH 1981/18, Beschluss vom 10. Februar 1982 (LES 1983 39 ff.: Betäubungsmittelgesetz); StGH 1981/19, Urteil vom 10. Februar 1982 (LES 1983 43 f.: Luftfahrt); StGH 1982/36, Gutachten vom 1. Dezember 1982 (LES 1983 107 ff.); StGH 1984/12, Urteil vom 8./9. April 1986 (LES 1986 70 ff.: Versicherungsvertragsgesetz); StGH 1985/1, Urteil vom 8. April 1986 (LES 1986 108 ff.); StGH 1988/22 und StGH 1989/1, Entscheidung vom 2. November 1989 (LES 1990 1 ff.: Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG)); StGH 1990/5, Urteil vom 21. Novem­ ber 1990 (LES 1991 4 f.: sog. Postbesorgungsvertrag); StGH 1990/13, Urteil vom 231
        

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