Gesetzlicher Richter und Legislative sichten des Verfassungs- und Gesetzgebers tatsächlich gerecht werden.217 Bei allen Kollegialgerichten (vor allem bei den Senaten des Obergerichts, erst recht beim Obersten Gerichtshof, bei der Verwaltungsbeschwerde­ instanz und beim Staatsgerichtshof) stellen sich fortwährend zahlreiche kniffligste Tat- und/oder Rechtsfragen, deren sachgerechte Beantwor­ tung oft schon dem Juristen einiges an juristischem Sachverstand und Differenzierungsvermögen abverlangt, bei deren sachgerechten Beant­ wortung der Laie in der Regel erst recht völlig überfordert ist. Die mehr­ heitliche Besetzung eines Kollegialgerichts mit Laienrichtern birgt damit die permanente Gefahr in sich, dass der Laienrichter - zumindest überall da, wo er überfordert ist - während der Verhandlung (sofern eine solche stattfindet) keine oder nicht die rechtsrelevanten Fragen an die Parteien stellt und während der Urteilsberatung in vielen Fällen gezwungener- massen den juristischen Ausführungen des Fachmannes Glauben schen­ ken muss. Dies wiederum wird ihn abschrecken, sich weiterhin durch Aktenstudium auf die Verhandlungen vorzubereiten, was in Tat und Wahrheit auch der Fall ist, wie eine diesbezügliche Untersuchung erge­ ben hat. Die derzeitige Rechtslage und Praxis zeigt zudem, dass sich diese der Idee der Kollegialgerichtsbarkeit sehr abträgliche Spirale hier­ zulande sogar schon soweit gedreht hat, dass vereinzelt die juristisch ge­ bildeten Richter, in der Regel die Vorsitzenden oder Ersatzvorsitzenden beziehungsweise die Präsidenten oder Vizepräsidenten der Kollegialge­ richte, den Fall vor der Verhandlung oder Urteilsberatung bereits vor­ entschieden haben. In einem Gericht ist diese Praxis schon soweit gedie­ hen, dass der Präsident anlässlich des Termines zur «Urteilsberatung» die vollständige Urteilsausfertigung den anderen Richtern lediglich noch zur Unterzeichnung vorlegt.218 Diese nicht zuletzt auch aus der haupt­ sächlichen Besetzung der Gerichte mit Laienrichtern resultierende Vor­ gehensweise reduziert den ursprünglich gewollten Kollegialgerichtsent­ scheid faktisch auf einen Einzelrichterentscheid.219 Da der Verfassungs­ 217 Kritisch bereits 
Brandstätter 64 f.; ferner 
Waschkuhn, Justiz 46; 
Waschkuhn, System II 195 f. und 202; 
Seeger, Bericht 102. A.M. offensichtlich 
Kohlegger, OGH 149 f.; Stotter, Gerichtsorganisation 83. S. in diesem Zusammenhang insbes. 
Eichenberger, Unabhängigkeit 234 ff. 218 S. insbesondere StGH 1988/15, Urteil vom 28. April 1989 (LES 1989 108 ff.). Ferner Kohegger, OGH 150. 219 Darin liegt zugleich ein Verstoss gegen das Vorrangprinzip: s. unter III. Vorrangprin­ zip. Ebenso die Ansicht des Beschwerdeführers (im Gegensatz zu derjenigen des 200
        

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