Ursina Jakob 
Historismus und Heimatstil — 
Geschichte in Farbe 
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Das Fürstentum ist ein Land des Heimatstils, oder 
dessen, was damit beabsichtigt war. Man könnte 
auch behaupten, der Historismus in Liechtenstein 
kommt als Heimatstil daher. Die subtileren Ge- 
meinsamkeiten und Unterschiede der beiden Stil- 
komplexe werden näher untersucht und in Bezie- 
hung gesetzt zur ebenfalls spezifischen Spielart der 
Industrialisierung in dieser Region. 
Zweierlei Träume von Vergangenheit 
Historismus und Heimatstil lassen sich zeitlich ziem- 
lich genau zuordnen: Historistisch baute man bis in 
die 90er Jahre des 19. Jahrhunderts. Was nach der 
Wende zum 20. Jahrhundert entstand, ist der Vielfalt 
moderner Strömungen zuzurechnen, zu denen auch 
der Heimatstil gehört. Die beiden Stilrichtungen — 
oder besser Stilkomplexe — weisen neben markanten 
Unterschieden auch einige Ähnlichkeiten auf. So sind 
sie als Phänomene teilweise schwierig zu fassen und 
abzugrenzen. Zwar existiert über den Historismus 
eine umfangreiche Literatur. Sie spiegelt ein Ver- 
ständnis und eine Wertung, die sich im Lauf der 
Jahrzehnte stark gewandelt haben. Unterschiedlichs- 
te Definitionen existieren, darunter recht merkwür- 
dig anmutende wie jene, wonach Historismus «das 
Nachahmen von mehr als zwei Stilen der Vergan- 
genheit gleichzeitig, entweder gemäss gewissen 
evokativen oder assoziativen Kriterien oder einfach 
gemáss den Wünschen der Bauherren»' sei. Verbrei- 
tet war bereits im 19. Jahrhundert in Fachkreisen die 
Ansicht, historistisches Bauen sei nicht mehr als die 
schematische und uninspirierte Nachahmung von 
Bestehendem. Eine andere Einschátzung vertrat be- 
Bauten des Historismus 
  
 
        

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