Kriterien für typologische Zuordnungen 
Bauten lassen sich nach verschiedenen Gesichts- 
punkten typologisieren, so beispielsweise nach 
Raumstrukturen, Baustrukturen und ihrer architekto- 
nischen Gestaltung. 
Die Art und Weise, wie Räume angeordnet und 
ihnen Funktionen zugewiesen werden, zeigt ver- 
schiedene zeittypische, aber regional stark unter- 
schiedliche Entwicklungslinien und eine Vielfalt von 
Neben- und Mischformen. Auch ist die Raumord- 
nung stets zweckgebunden. So kann unterschieden 
werden zwischen Behausungen von Acker-, Vieh- 
und Weinbauern sowie Repräsentations- und Ver- 
waltungsbauten. 
Im Wesentlichen können Bauten auch nach der Ver- 
wendung von organischen und mineralischen Bau- 
stoffen unterschieden werden, also etwa nach Mau- 
erwerk und Holz. Die Wahl der Baumaterialien hängt 
insbesondere vom Zweck des Gebäudes ab, von 
wirtschaftlichen Umständen und auch von einer zeit- 
lichen Entwicklung und Verfügbarkeit der Materiali- 
en, gepaart mit Modeströmungen und den Bedürf- 
nissen der Bauherrschaft. Im Gegensatz zu anderen 
Regionen übt hierzulande die Wahl der Bautechni- 
ken keinen Einfluss auf die Wahl der Raumordnun- 
gen aus. Die augenfálligste - und wohl deshalb oft 
subjektivste — Zuweisung von Gebäuden nach Mate- 
rialwahl mit unzähligen Benennungen wie Putzbau, 
Riegelbau und Ziegelbau vermitteln zwar ein ra- 
sches, skizzenhaftes Bild des Objekts, verschweigen 
aber dessen Entstehung und Entwicklung. 
Nahe liegend ist die Ordnung nach statischen Struk- 
turen, das heisst in Massivbauten und Rahmenbau- 
ten. Entsprechend der Deutung «massiv» im Sinn 
  
Mme i E 
von selbsttragend záhlen wir Strickbauten zu den 
Massivbauten. Rahmenbauten sind Stánderbauten 
und Fachwerkbauten in ihrer ganzen Vielzahl ver- 
schiedener Detailausführungen, wobei erst ein Rah- 
mengefüge die Statik der Wand bildet und danach 
Füllmaterial die Fláche schliesst. 
Die architektonische Gestaltung wird von verschie- 
densten Umstánden wie Raumordnung, Baumate- 
rialwahl, Bauzweck und wirtschaftlicher Kraft der 
Bauherrschaft beeinflusst. Nicht unterschátzt werden 
darf dabei der Einfluss der Herstellung und Verfüg- 
barkeit von Fensterglas auf die Gestaltung der Fassa- 
den. Basierend auf den genannten mehr oder weni- 
ger festen, die architektonischen Gestaltungsmóg- 
lichkeiten vorspurenden Elementen sind ausgeprágte 
zeitabhangige Modestromungen und Spielereien 
wichtige Indikatoren für zeitliche Entwicklungen. 
Diese Arbeit bezieht sich lediglich auf ganzjährig be- 
wohnte und genutzte Hofstätten. Temporärsiedlun- 
gen wie Maiensässe und Alphütten werden nur mit 
Seitenblicken gestreift. Ausgeschlossen sind zudem 
Burgen und Herrschaftssitze, Kirchen und kirchliche 
Bauten, Zollhäuser, Tavernen, Mühlen und derglei- 
chen, deren Gestaltung oft ausländischen Einflüssen 
folgte. Die Verfügbarkeit materieller und anwen- 
dungstechnischer Neuerungen wirkte sich stets vor- 
erst bei Neubauten und erst allmählich anlässlich von 
Renovationsarbeiten auch in Altbauten aus. Altbau- 
ten zeigen deshalb oft eine um manche Generation 
verlangsamte Entwicklung. 
Die Raumordnung 
Bauliches Erbe 
Die Entwicklung der Raumordnung ist im Fürsten- 
tum Liechtenstein vom ausgehenden Mittelalter bis 
  
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.