Selbst die geringen Spuren zeigen einige interessan- 
te Details der damaligen Bauweise. Dazu geben vor 
allem die Räumlichkeiten des Gebäudekomplexes 
unter der Fürstenstrasse und unter dem Amtshaus 
Auskunft. Die aufgehenden Mauern sind rund sieb- 
zig Zentimeter stark. Sie waren an den Innen- und 
Aussenseiten mit einem Pietra-rasa-Verputz verse- 
hen. Noch im feuchten Zustand wurden in diesen 
mit der Kelle sorgfältig horizontale und vertikale 
Fugenstriche gezogen. In einem einzigen Raum fan- 
den sich noch Reste eines weissen Kalkanstrichs. Die 
übrigen Mauern dürften roh belassen worden sein. 
An einer Stelle hatte sich der Rest eines massiven 
Mörtelfussbodens erhalten. Die zahlreichen Frag- 
mente von Fuss- und Wandziegeln lassen darauf 
schliessen, dass zumindest Teile des Hauses beheiz- 
bar waren. Für die Höhe der Gebäude sind keine 
Anhaltspunkte vorhanden. Auch die Gestaltung der 
Fassaden bleibt im Dunkeln, ebenso jene der Fens- 
ter- und Türöffnungen. Zahlreiche Ziegelfragmente 
beweisen, dass die Dächer mit den für die römische 
Zeit typischen massiven Flach- und Halbrundziegeln 
gedeckt waren.” 
Verkohlte Birnen und eisernes Werkzeug im langge- 
streckten Raum unter der Fürstenstrasse lassen die 
Deutung auf einen Wirtschaftstrakt zu. Bei den übri- 
gen Räumen sind die Funde zu spärlich, um über ihre 
Verwendung Auskunft geben zu können. 
Die Siedlung auf dem Krüppel oberhalb von Schaan? 
liegt auf einem Felssporn mit einem 30 mal 60 Meter 
grossem Plateau. Hier standen Häuser mit einer Um- 
wehrung.® Eine 1,20 Meter breite Ringmauer 
schützte die Hügelkuppe. In der Innenfláche war ein 
Rechteckbau mit den Ausmassen von 3,60 mal 4,20 
63 
Metern erhalten. Dessen Mauern waren nur siebzig 
bis achtzig Zentimeter stark. Das Obergeschoss dürf- 
te daher in Holz- oder Fachwerktechnik errichtet 
worden sein. Ein zweiter Rechteckbau mit einer 
Mauerstárke von einem Meter und den Ausmassen 
von 5,50 mal 4,50 Metern war mit einem zweipha- 
sigen Môrtelstrich und den dazugehórigen Herdstel- 
len versehen. Die Münzreihe der Hóhensiedlung auf 
dem Krüppel weist auf zwei Besiedlungsphasen hin — 
die erste zwischen 260 und 270 und die zweite zwi- 
schen 330 und 350 nach Christus. Die Anlage dürf- 
te daher den Bewohnern des Tales mindestens zwei- 
mal als Fluchtsiedlung Schutz geboten haben. 
Der Lutzengüetlekopf ist eine langgezogene Kuppe 
auf dem Eschnerberg. Stellenweise ist eine Trocken- 
mauer dokumentiert, die das Plateau umgrenzt. 
Zudem sind hier mehrere Gebáude erfasst. Deren 
Zeitstellung ist jedoch ebenso unklar wie die der Um- 
fassungsmauer. Aufgrund der zahlreichen Münz- 
funde (insgesamt 227 Stücke) ist eine häufige Be- 
gehung des Orts in der Spätantike (3. Jh./Anfang 
4. Jh.) wahrscheinlich. Über die Funktion der Anlage 
aber wissen wir nichts. 
Das bekannteste römische Gebäude in Liechtenstein 
ist das Kastell in Schaan.? Es handelte sich um eine 
Gründung valentinianischer Zeit (um 370 n. Chr; es 
lag direkt an der rómischen Strasse von Curia/Chur 
nach Augusta Vindelicum/Augsburg und diente zur 
Sicherung der Hinterlandlinie und der Truppenversor- 
gung. Die fast quadratische Anlage mit Eck- und Tor- 
türmen hat eine Seitenlänge von zirka 58 mal 60 Me- 
tern. Das Grundschema entspricht jenem der Anlagen 
von Irgenhausen (Kanton Zürich) und Wilten (Tirol). 
An der Innenseite der óstlichen Kastellmauer war 
Das Haus, in dem wir wohnen 
 
        

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