ten die Menschen der Vorzeiten in Liechtenstein viel- 
fach geschützte Höhenlagen auf, wo sie vor Feind- 
angriffen und vor Überschwemmungen sicher 
waren. Die Nähe zum Wasser, zu fruchtbaren Böden 
und zu wichtigen Handelswegen spielte bei der Wahl 
des Platzes ebenfalls eine wesentliche Rolle. 
Urgeschichte 
In der Altsteinzeit (erstes Auftreten des Menschen 
bis zirka 10 000 v. Chr.)? und in der Mittelsteinzeit 
(10 000-6000 v. Chr.)? benutzte der Mensch verein- 
zelt Höhlen, in die er zum Teil Unterteilungen aus 
Holz und Leder einbaute, und nischenartige Fels- 
dächer (so genannte Abris), deren offene Seite er mit 
Stangen und Fellen abschloss, als Wohnraum. Häufi- 
ger aber waren zeltartige Konstruktionen aus Holz* 
und Fellen oder Tierháuten. Auch Rutenflechtwerke 
kamen zum Einsatz. In den Alpentàlern und im Vor- 
alpengebiet hatten die máchtigen Gletscher der letz- 
ten Eiszeit alle Nachweise menschlicher Anwesenheit 
vernichtet, so auch in Liechtenstein. Mesolithische 
Fundplátze wurden bisher ebenfalls nicht entdeckt. 
Die ersten Spuren von Ansiedlungen in Liechtenstein 
stammen aus der mittleren Jungsteinzeit (zirka 4700 
v. Chr.-4000 v. Chr., das Neolithikum dauert insge- 
samt von zirka 6000-2200 v. Chr.). Zu Beginn dieser 
Epoche ánderte sich die Lebensweise der Menschen 
vollstándig. Aus den nomadisierenden Jágern und 
Sammlern der Alt- und Mittelsteinzeit wurden im 
Lauf der Jahrhunderte sesshafte, produzierende Bau- 
ern. Das Haus widerspiegelte unmittelbar die neue 
Lebensweise. 
Ackerbau verlangt eine sesshafte Siedlungsweise. 
Die Windschutzstreifen und Zeltbauten der vorher- 
Bauliches Erbe 
gehenden Epochen wurden durch grosszügige Holz- 
háuser und durch Speicherbauten zur Einlagerung 
des Ernteguts ersetzt. Viehzucht und die agrarische 
Produktion ermóglichten zudem ein Bevólkerungs- 
wachstum. Dies wiederum erforderte eine kontinu- 
ierliche Ausdehnung des Siedlungsgebiets. Das Dorf 
festigte sich als Zentrum verschiedener Wirtschafts- 
zonen. 
Die Siedlungen wurden an Plätzen mit Standortvor- 
teilen meist unter 600 Meter über Meer und in der 
Nähe von Wasser (Seen, Flüsse, Bäche) angelegt. 
Wichtig für die ackerbautreibenden Kulturen der 
Jungsteinzeit waren vor allem die fruchtbaren Löss-, 
Braunerde- oder Parabraunerde-Böden. 
Die archäologische Forschung untersuchte die Dorf- 
grösse der urgeschichtlichen Ansiedlungen vor allem 
anhand der Ufersiedlungen an den Seen im Alpen- 
vorland. Sie kam dabei auf eine erstaunliche Band- 
breite — 500 bis 10 000 Quadratmeter. Zur Sicherung 
der Versorgung benótigte ein mittelgrosses Dorf 
wahrscheinlich zwanzig Quadratkilometer an wirt- 
schaftlich nutzbarem Hinterland. 
Eine jungsteinzeitliche Siedlung bestand wahrschein- 
lich aus durchschnittlich 10 bis 25 Häusern. 
Die Art der Anlage von Siedlungen reflektiert gesell- 
schaftliche Zustände. Anderungen in der Dorfstruk- 
tur können somit soziale Veränderungen andeuten. 
Im Verlauf des 5. Jahrhunderts vor Christus ent- 
wickelten sich die locker gestreuten Grossháuser? zu 
geschlossenen Dórfern mit dicht gestellten Klein- 
bauten, die in einem rechtwinkligen Raster angeord- 
net waren.” Darin zeigt sich möglicherweise der 
Wandel von der Grossfamilie zu kleineren Familien- 
verbänden. 
 
        

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