Bauernbund-Zweckgebäudes (im Jahr 2000 abge- 
brannt). 
Nach 1945 und mit dem wirtschaftlichen Auf- 
schwung überzogen bis heute in immer grösserer 
Zahl private und öffentliche Bauten das Land, nun 
flossen die Mittel. Und die Modernisierung sowie der 
Ausbau der Infrastruktur erforderte ständig neue 
Bauten: Schulhäuser, Gemeindezentren, Verwal- 
tungsgebäude, Postbauten, die Kapelle in Malbun 
und die Pfarrkirche in Schellenberg, Läden, Hotels, 
Restaurants, Fabriken, Banken, Treuhandgebäude, 
unzählige Ein- und Mehrfamilienhäuser, Strassen, 
Brücken, Parkhäuser. Zugleich erlebten manche älte- 
ren Gebäude Restaurationen und Umnutzungen, so 
Textilfabriken zu kulturellen Zentren. 
In der Architektur und in der mit ihr verbundenen 
Kunst — Malerei, Glasfenster, Plastik — findet die Zeit- 
geschichte hierzulande vielgestaltigen, dem kundi- 
gen Auge aufschlussreichen Niederschlag. 
Liechtensteiner Mentalitàten im 20. Jahrhundert 
Man kann schliesslich versuchen, einige Mentalità- 
ten, wie sie in Liechtenstein in diesem Jahrhundert 
herrschten, zu umschreiben, alltägliche Denkweisen 
und Einstellungen also, die wenig reflektiert für gül- 
tig erachtet wurden. Sie änderten sich, wenig merk- 
lich, mit den Umständen, und sie galten gewiss nicht 
für alle gleich. Sieben Mentalitätslinien seien hier ge- 
nannt. 
Da ist einmal die verbreitete konservative Grundhal- 
tung zu nennen, das Festhalten am Hergebrachten, 
besonders im Bereich der Familie, der Geschlechter- 
beziehung, der katholischen Religion und Kirche, der 
Gemeinde auch. Dies bewahrte soziale Konstanz, 
Einleitung 
beinhaltete aber auch Vorurteile, etwa gegenüber 
Ärmeren in der Gemeinde, Schwachen in Schule und 
Beruf, Behinderten, Alkoholikern, Individualisten, 
Andersgláubigen, Fremden — gegenüber Juden auch, 
die aufgrund der hitlerdeutschen Vertreibungspolitik 
zuzogen. 
Da war des Weiteren die Mentalitát der armen Hilfe- 
empfánger, nàmlich die Überzeugung, angesichts 
der eigenen Armut, Kleinheit und Ohnmacht auf 
Hilfe angewiesen zu sein und ein moralisches Recht 
darauf zu haben. Diese Mentalität zeigte sich nach 
aussen, etwa wenn mit der Schweiz Abmachungen 
zu treffen waren und von ihr Entgegenkommen und 
Hilfestellungen in vielen praktischen Fragen erwartet 
wurde, vorab in der Krisenzeit sowie im Zweiten 
Weltkrieg und noch lange danach. Die gleiche Men- 
talität spielte mit bei der Erwartung des Bürgers, die 
Regierung habe ihm zu helfen, die eigene Partei 
zudem Patronage zu leisten, indem sie ihn bei Arbeit, 
Ämtern und Aufträgen zu bevorzugen habe und 
nicht etwa Gegner gleich behandle. 
Wohlstand und Wertewandel der zweiten Jahrhun- 
derthälfte haben Mentalitäten verändert. Nun traf 
und trifft man auf die Mentalität des gestärkten 
Selbstbewusstseins — als Kleiner besonders tüchtig zu 
sein —, der Selbstzufriedenheit auch, der Überheb- 
lichkeit gar, des gescháftigen und breitspurigen Auf- 
tretens gegenüber den Nachbarn und in aller Welt. 
Gleiches Recht für das kleine Liechtenstein, postuliert 
man, mit Schutzklauseln und biotopischer Rücksicht 
auf den Kleinen. 
Andererseits waren und blieben durchwegs die Men- 
talitàt des Gespürs für Unrecht und die Mentalität 
des schlechten Gewissens. Man war sich des sozialen
        

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