chitekten wie Diener & Diener, der kürzlich verstor- 
bene Michael Alder und Betrix & Consolascio die Er- 
fahrungen der Tessiner Kollegen mit geometrischen 
Formen und der Definition des Orts verarbeiteten. 
Sie übertrugen diese auf die eigenen Traditionen 
nördlich der Alpen, um schliesslich zu Experimenten 
mit der Textur von Oberflächen und dem Span- 
nungsverhältnis von Mauer und Öffnungen zu ge- 
langen. Hubert Ospelts Erweiterungsbauten für ein 
Flüchtlingszentrum und das Ausländer- und Passamt 
von 1998 bis 1999 sind eine Fortsetzung solcher 
Bestrebungen. 
Die Tessiner Architekten konnten ebenso wenig wie 
in der Deutschschweiz ins Baugeschehen von Liech- 
tenstein eingreifen, obwohl dies vorgespurt gewesen 
war. Um 1980, als die Tessiner grosse internationale 
Erfolge zu feiern begannen, gewann Luigi Snozzi die 
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zwei bedeutenden Wettbewerbe für das Regierungs- 
viertel mit Parlamentssitz und das Pfarreizentrum in 
Vaduz. Vor allem das Regierungsviertel hätte ein ar- 
chitektonischer Meteorit werden können. Der Ver- 
waltungsbau in Form einer Schlange am Fuss des 
Schlosshügels hätte mit feinem Gespür die Topogra- 
fie und den Siedlungsrand nachgezeichnet und der 
vorgestellte, kreissegmentförmige Baukörper auf Pi- 
lotis hätte dem Parlament Bedeutung verliehen. 
Doch die aussergewöhnlichen Bauformen fanden 
keine Gnade und fielen in der Volksabstimmung 
durch. Weder Snozzi noch einer seiner Tessiner Kol- 
legen hat im Fürstentum Liechtenstein schliesslich 
bauen können. 
Die «Deutschschweizer Tendenza» kam zwar eben- 
falls nicht mit Bauprojekten zum Zug, hat aber im 
Gegensatz zum Tessin starken Einfluss ausgeübt. 
Abb. 8: Wohnsiedlung Äulestrasse in Triesen, 1994 bis 1995; Architekt Silvio Marogg. Die Mehrfamilienhäuser einer einfachen Typologie 
mit asketischer Formgebung bilden eine lockere Gruppe um einen offenen Siedlungsraum. Die Reduktion der Mittel erweist sich als Gewinn 
der architektonischen Gestaltung und des Ausdrucks. Anleihen bei Gisel sowie Diener & Diener wurden in ein eigenständiges Projekt umge- 
setzt. Die für dieses Wohnsegment ungewöhnlichen offenen Grundrisse wirken sich vorteilhaft auf den Wohnwert aus. 
  
Modernes Bauen 
 
        

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