Baumeistern des Landes persönlich vorsprechen. 
Leicht war die Akzeptanz nicht zu bekommen, und 
ein Zweigbüro in St. Gallen musste über wirtschaft- 
lich und politisch schwierige Jahre hinweghelfen. Da 
Sommerlad aber kaum diplomierte Konkurrenz 
bekam, wurde er Herr über den Villenbau. Die Eben- 
holz-Kolonie erbaute er im Lauf von dreissig Jahren 
fast allein. Er fand das richtige Rezept für die neue 
Oberschicht: formale Anklänge an die «weisse Mo- 
derne» in Deutschland, aber regionalistisch interpre- 
tiert mit flachem Walmdach anstelle eines Flach- 
dachs und mit dem Grundriss der traditionellen bür- 
gerlichen Villa. 
Nach und nach eröffneten weitere Diplom-Architek- 
ten ihre Büros in Liechtenstein. Herausragende Ta- 
lente waren keine darunter, und so wurden vor allem 
- meist mit einiger Verspátung — Standards der eu- 
ropáischen Tendenzen kopiert. Die architektonische 
Qualitát blieb, abgesehen von den besten Projekten 
des Ernst Sommerlad und Ausnahmen wie die Arzt- 
praxis Dr. Vogt in Balzers oder das Wohnhaus des 
Künstlers und Architekten Georg Malin in Mauren, 
bis in die 1970er Jahre hinein bescheiden. 
Wettbewerbe für den óffentlichen Raum 
Zufall oder auch nicht, zwei Ereignisse des Jahres 
1968 haben in Liechtenstein die Vorzeichen der Bau- 
kultur verándert. Das erste Ereignis war die Wahl des 
Architekten und Raumplaners Walter Walch zum 
Landesbaumeister. Er war gerade 26 Jahre alt und 
kam nach seiner doppelten Ausbildung an der ETH 
Zürich und am Institut für Orts-, Regional- und Lan- 
desplanung ORL voller Ideen und Tatendrang ins 
Land zurück. Damals war er der einzige Fachmann 
mit diesem umfassenden Wissen. 
Als Walter Walch seine Arbeit aufnahm, wurde ge- 
rade der internationale Wettbewerb «Zeitgemásse 
Wohntypen für das Jahr 1969» durchgeführt. Das 
Ziel war ambitioniert: Geplant war eine Landesaus- 
stellung über bereits erstellte Wohnhäuser, die das 
verdichtete Bauen exemplarisch vorführen sollten. 
Die Ausstellung kam nicht zustande, die Ideen des 
Siedlungsbaus waren aber ganz im Sinn des neuen 
Landesbaumeisters. Er hob für seine zukünftige 
Tätigkeit zwei Leitlinien auf den Schild: das verdich- 
tete Bauen gegen die Zersiedlung der Landschaft 
und die Verantwortung der Bauherren für die Ge- 
staltung des óffentlichen Raums. 
Walter Walch ist inzwischen 32 Jahre im Amt, hat 
gut hundert Architekturwettbewerbe organisiert und 
darin Hartnáckigkeit an den Tag gelegt. Zwar gab es 
auch schon vor seiner Amtszeit Wettbewerbe, doch 
eher vereinzelt und zufállig. Nun setzte er dieses 
Mittel systematisch ein und institutionalisierte es 
schliesslich für die óffentlichen Bauaufgaben. Seit 
1976 sind das Land und die Gemeinden gesetzlich 
eingebunden. Ab einer Bausumme von zwei Millio- 
nen Franken muss ein Wettbewerb durchgeführt 
werden. Walch überzeugte auch immer wieder pri- 
vate Bauherren vom Nutzen solcher Auslobungen, 
und sein Amt ging ihnen bei der Organisation zur 
Hand. 
Nicht die Hebung der Architekturqualitát war für 
Walter Walch das erste Ziel der Wettbewerbe. 
«Meine hauptsáchliche Sorge galt immer der Pflege 
des óffentlichen Raumes und der Gestaltung des 
Ortsbilds», meint er noch immer mit Überzeugung. 
«Ich sah meine Aufgabe darin, den Siedlungsraum 
Zeitgenóssische Baukultur: Findlinge in der Streusiedlung 
 
        

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